„Polen-Breivik“ plante 4-Tonnen-Bombe gegen Staatsspitze

Wie polnische Medien berichten, wurde bereits am 9.November Bruno K., ein 45-jähriger, aus Krakau stammender Assistenzprofessor an der Fakultät für Landwirtschaftliche Ökonomie an der dortigen Universität für Bodenkultur, im Auftrag der Staatsanwaltschaft durch eine Spezialeinheit festgenommen.

Er soll konkrete Vorbereitungen getroffen haben, eine Autobombe aus 4 Tonnen Sprengstoff zu bauen und diese während der Haushaltsberatungen detonieren zu lassen. Insbesondere sollten der Sejm, das polnische Parlament, Regierungschef Donald Tusk sowie Staatspräsident Bronislaw Komorowski zum Ziel des geplanten Terrors werden. Letztere beide wären bereits am 30.Oktober über die drohende Gefahr informiert worden. Der mutmaßliche Täter wäre bis zu seiner Festnahme noch durch die Strafverfolgungsbehörden überwacht worden. Im Zuge der Hausdurchsuchung wurde auch Material sichergestellt, das sich zum Bau von Bomben eignet.

Bruno K. habe auf dem Gebiet von Sprengstofftechnik Forschungen durchgeführt. Auf diese Weise habe er Zugang zu dem Material gehabt. Der Zeitung „Rzeczpospolita“ zufolge soll er auch versucht haben, eine bewaffnete Gruppe zu organisieren.

Der Verdächtige ist zum Teil geständig und nannte in den ersten Verhören nach seiner Festnahme den norwegischen Islamkritiker Anders B. Breivik sowie den rechtsextremistischen Oklahoma-Bomber Timothy McVeigh als Vorbilder. Es wurde vorerst für die Dauer von 3 Monaten Untersuchungshaft angeordnet. Im Falle eines Schuldspruchs drohen dem „Agrobomber“, wie ihn polnische Medien jetzt bereits nennen, bis zu 5 Jahren Haft – immerhin war es noch zu keiner Ausführungshandlung hinsichtlich des geplanten Anschlages gekommen.

Wie die „Gazeta Wyborcza“ berichtet, war Bruno K. aufgefallen, als er im Internet unter dem Spitznamen „borazol” in einem Dutzend Einträgen versuchte, Menschen gegen die „Banditen“ an der Staatsspitze zu organisieren und Nutzer aufforderte, ihn zu kontaktieren, um Tipps zum Bombenbau zu erhalten.

Bruno K. sah Polen auf dem Weg in den Totalitarismus

In seinen Beiträgen brachte er auch Sympathien zu nationalistischem, islamkritischem, antisemitischem und verschwörungstheoretischem Gedankengut, beispielsweise jenem des US-amerikanischen „Infokriegers“ Alex Jones, zum Ausdruck. Er hätte Polen als „von fremden Mächten besetztes Land“ betrachtet und die Umwandlung zu einem totalitären Staat bevorstehen gesehen. Bruno K. schlug vor, „sich gegen die Tyrannei zu organisieren“.

Ministerpräsident Donald Tusk gratulierte den Strafverfolgungsbehörden zu ihrem erfolgreichen Vorgehen. Er warnte davor, dass ein vergiftetes innenpolitisches Klima und ein rüder Umgang miteinander labile Persönlichkeiten immer wieder zu Vorhaben wie diesen motivieren könnten.
In Polen ist das politische Klima auch mehr als 20 Jahre nach dem Fall des Kommunismus und der politischen Marginalisierung der sozialistischen Nachfolgepartei außerordentlich angespannt und trägt Züge eines Kulturkampfes.

Auf der einen Seite wird die liberal-konservative „Bürgerplattform“ (PO) Tusks von der rechtskonservativen Bewegung „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) bedrängt, die vor allem im Osten des Landes dominiert und teilweise auch durch katholisch-integristische und ultranationalistische Kräfte unterstützt wird, auf der anderen Seite sorgen die Postkommunisten und die linksextreme, atheistische „Palikot-Bewegung“ für eine starke Polarisierung. Außerdem gewinnen vor allem in Krisenzeiten antisemitische Verschwörungstheorien und die Angst vor einem deutsch-russischen Bündnis in Polen an Rückhalt innerhalb der Bevölkerung.