Prognosen für Erdbeben im Marmarameer

Bis 2090 werde sich das Erdbeben der Stärke 7 ereignet haben, erklärte Prof. Dr. Dogan Kalafat, der die Ergebnisse seiner Erdbebenforschungsarbeit präsentierte: „Ein Erdbeben in der Stärke 8 ist im Marmarameer aus Sicht der Geologen nicht zu erwarten. Es ist mit einem Beben der Stärke 7 zu rechnen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese Naturkatastrophe bis im Jahre 2020 ereignet, liegt bei 50%, bis 2030 bei 64% und bis 2090 bei 95%.“

Ein Anstieg der Anzahl der Erdbeben mit Stärke 5 und höher in den letzten Jahren in der Türkei, lenkte die Aufmerksamkeit auf die Daten der Erdbebenforschungsarbeiten Das Mineralforschungsinstitut der Türkei hatte vor kurzem eine aktualisierte Landkarte mit den Zonen veröffentlicht, in denen Transformverwerfungen passieren, sich also Platten aneinander vorbei bewegen. Durch die Bewegung der Platten baut sich Spannung im Gestein auf. Es kann passieren, dass sich Platten in ihrer Bewegung verhaken oder verkanten. Durch ruckartige Bewegungen wird der Bewegungstop aufgelöst und es kommt zum Erdbeben.

Mit diesen aktuellen Daten führte auch Prof. Dr. Kalafat seine Forschungsarbeiten durch. Er kommt zu dem Schluss, dass die „Türkei stärker von Erdbeben gefährdet ist, als bisher vermutet. In den letzten 20 Jahren ereigneten sich einige Erdbeben in der Türkei. Neben der Landkarte mit den gefährdeten Zonen wird auch die Erdbebenkarte aktualisiert werden müssen. Hier wird das Gebiet um das Marmarameer auf alle Fälle eingezeichnet werden.

Prof. Dr. Kalafat, der mit seinem Team das Marmarameer näher erforscht, meint, es sei nicht wie bisher mit einer vorwarnenden Aktivität der Platten zu rechnen, die Energie werde mit einem einzigen starken Erdbeben freigesetzt. „Das Erdbeben wird sich wie gerade erklärt ereignen. Die sich jährlich ereignenden Erdbeben der Stärke 4,5 bis 5 führen manchmal zu Aussagen wie ‘die Platte bricht auseinander, das große Erdbeben kommt bald‘. So etwas kann nicht geschehen. Diese kleinen Erdbeben schwächen das große, erwartete Erdbeben im Marmarameer nicht ab. Hier ereignen sich jedes Jahr um die 450 Erdbeben. In den letzten Jahren ist die Anzahl gestiegen. Geologisch ist ein Erdbeben der Stärke 8 nicht zu erwarten. Die Stärke wird bei 7 liegen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich dieses Erdbeben bis 2020 ereignet, liegt bei 50%, bis 2030 bei 64% und bis 2090 bei 95%. Das bedeutet, dass sich das Ganze bis 2090 abgespielt haben wird.“

Die planlose Ausdehnung der Städte sei einer der Hauptursachen für die vielen Todeszahlen bei Erdbeben in der Türkei, gab Prof. Dr. Kalafat zu bedenken. Die Umsetzung des Stadtsanierungsgesetzes müsse baldigst geschehen: „Die Stadtsanierung in Istanbul ist ein Muss. Die Zeit läuft uns davon. Ich kann allen, die sich eine Wohnung kaufen oder mieten wollen, empfehlen, auf die Erdbebeneignung zu achten. Das Prestige darf bei ihrer Wohnungssuche nicht im Vordergrund stehen, sie sollten immer nach dem Bauplan verlangen. Wurde Fertigbeton eingesetzt, ist dieser standhaft genug? Fragen wie diese müssen Sie sich stellen. Die Häuser von TOKI, also dem staatlichen Wohnungsbauinstitut, sind beispielsweise aus Architektensicht gut gebaut“, bestätigte Prof. Dr. Kalafat.