Wenn im beschaulichen Kreuzberg Nazis demonstrieren

Denn mit dem Versuch, durch Kreuzberg zu marschieren, lockten die Rechtsextremen einige Tausend Gegendemonstranten in die Mittagssonne, die s채mtliche Zufahrtswege zur geplanten Demonstrationsroute der Rechtsextremen blockierten.

Die Menge tanzte, der autonome schwarze Block war unter den 2000 bis 5000 Gegendemonstranten kaum sichtbar. Nur einmal flogen Flaschen und Feuerwerksk철rper auf Polizisten. Doch der von ihnen erzeugte Rauch war bald wieder verflogen. Und als der Gr체nen-Abgeordnete Hans-Christian Str철bele gegen 13 Uhr auf seinem Fahrrad die Lage in seinem Kiez und mit festem Blick auch das H채uflein 100 irritierter Nationaldemokraten 엍nspizierte, stellte er zufrieden fest: 얝s ist alles friedlich.

Zu diesem Zeitpunkt harrten die Rechtsextremen dort bereits eine Stunde aus und beobachteten keineswegs unbeeindruckt die Menge auf der anderen Seite der Polizeiabsperrung, von wo in regelm채횩igen Abst채nden drohende 얧azis-raus!-Rufe auf sie niedergingen. Inmitten des Gro횩aufgebots der Polizei und umzingelt von Gegendemonstranten wussten die Rechten tats채chlich weder aus noch ein. Im Gegensatz dazu herrschte unter den Gegendemonstranten, die Str철bele im Plausch mit Vertretern von 얤ampf-gegen-Rechts-Gruppen wohlwollend zu den Seinen z채hlte, fast so etwas wie Volksfeststimmung. 얢ch hoffe, dass die Polizei so vern체nftig bleibt, sagte er und radelte des Weges.

Nazis demonstrieren in Berlin-Kreuzberg.

Im Grunde wurden die Rechten gleich zweimal ausgebremst, durch die vielen B체rger, die dem Aufruf antifaschistischer Gruppen gefolgt waren, das andere Mal durch die eigenen Leute. Als n채mlich der Berliner NPD-Chef Sebastian Schmidtke mit seinem sonnenbebrillten Gefolge in einem nicht mehr ganz taufrischen blauen VW-Transporter aus Sch철neweide eintraf, wurden einige der sechs Insassen auf Waffen oder waffen채hnliche Gegenst채nde durchsucht.

Ganz besonders sorgf채ltig widmete sich die Polizei einem gro횩gewachsenen Mann. Sp채ter stellte sich heraus, dass aus dem Wagen heraus auf dem Weg zur Jannowitzbr체cke Gegendemonstranten aus einem Feuerl철scher bespr체ht worden waren. Zudem hatten die Insassen ihnen mit Dachlatten gedroht. Aus diesem Grund musste dann der Wagen selbst erst einmal auf Waffen oder andere, als Waffen einsetzbare Gegenst채nde durchsucht werden, was wiederum Zeit kostete.

All das wurde ausgiebig dokumentiert allerdings nicht nur von der Polizei und den Medien, sondern von einer ganzen Reihe vermummter Gestalten, die mit teuren Kameras fotografierten und auch filmten. Unter ihnen waren auch der NPD nahe stehende stadtbekannte autonome Nationalisten und Mitglieder der linksextremen Antifa-Szene, die sich unbehelligt zwischen den Polizisten bewegten, weil sie offenbar Presseausweise besitzen.

Da weder im Wagen noch bei den Insassen gef채hrliche Gegenst채nde gefunden wurden, marschierte die NPD schlie횩lich gegen 14 Uhr los. Sie kam jedoch nur 200 Meter weit. Ihr Landesvorsitzender Schmidtke diskutierte mit Polizisten zwar 체ber m철gliche neue Routen. 얛a war aber nichts zu machen, sagte ein Sprecher der Polizei vor Ort der 얱elt. 얖us verh채ltnism채횩igen Gr체nden konnten wir die blockierten Stra횩en nicht freimachen. Es seien einfach zu viele Gegendemonstranten dort gewesen.

Seine vorl채ufige Bilanz dieses Nachmittags sind vier festgenommene NPD-Mitglieder wegen des Feuerl철scher-Angriffs und wegen Volksverhetzung. Unter den Gegendemonstranten gab es mindestens elf Festnahmen wegen Vermummung, Widerstandes gegen die Staatsgewalt und versuchter Gefangenenbefreiung. Noch vor ihrem Abzug meldete die NPD per Eilantrag einen neuen Umzug im Stadtteil K철penick an.

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