Die Bedeutung von Teilzielen

Scheitern, um zu gewinnen

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Es ist wie beim Spiel Deutschland-Italien, jeder redet über den Gewinner, doch keiner über den Verlierer und dass er eigentlich nur einen Elfmeter mehr als sein Gegner verschossen hat. Die Geschichte erzählt nur von dem Gewinner, selbst wenn es sehr knapp war, denn es interessiert ja niemanden, wie man gewonnen hat. Höchstens kurzfristig.

So ist es auch im Leben, denn es ist irrelevant für die Gesellschaft, wie (knapp) man seine Ziele erreicht. Was zählt, ist einzig und allein der Erfolg.

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Teilziele

Der Mensch strebt danach, immer etwas mehr aus einer Situation herauszuholen und vergisst dabei eigentlich, dass er manchmal schon Teilziele erreicht und damit schon Erfolg nachweisen kann. Man fokussiert sich einzig und allein auf das finale Ziel und vergisst dabei sehr schnell, dass man dafür Schritt für Schritt Hürden überwinden muss. Diese Hürden sind (oft wichtige) Teilziele, die man auf dem Weg zum Endziel überwindet. Man sollte ihnen die nötige Beachtung schenken, denn sie motivieren einen, weiter zu machen.

Tränen und Schmerzen vor dem kommenden Erfolg

Natürlich gibt es Zeiten, da geht einfach nichts oder es läuft nicht so wie es sollte. Wer von uns kennt das folgende Szenario nicht: Es läuft einfach alles schief, das letzte Semester war katastrophal, die Klausuren gehen den Bach runter obwohl du lernst, Eltern und Freunde sind weit weg. Man möchte Entscheidungen treffen, kann aber keinen um Rat fragen.

An einem Januarabend fuhr ich mit dem Bus von der Hochschule nach Hause, die Müdigkeit konnte man mir aus dem Gesicht lesen. Es waren die letzten Tage der Klausurphase, ich wollte mich nochmal kurz hinlegen um dann weiter zu lernen. Damit ich während der Busfahrt vor Müdigkeit nicht einschlafe, habe ich mein Smartphone aus meiner Hose gezückt und mich auf der Hochschulseite eingeloggt um zu prüfen, ob irgendeine Klausurnote bereits veröffentlicht wurde.

Während die Webseite lud, warf ich einen kurzen Blick aus dem Fenster. Als ich wieder mein Display anstarrte, verging mir die Müdigkeit: “Nicht bestanden – 5.0 2.Versuch” las ich dort geschockt.

Ich stieg aus dem Bus aus und lief nach Hause, beim Öffnen der Haustür bemerkte ich, wie verkrampft ich doch war. Erste Tränen flossen mir über meine Wangen. Ich legte meine Tasche ab und ging zum Teich in der Nähe meiner Unterkunft.

Jeder Mensch kennt die Situation, wenn man seine Gefühle und Tränen einfach nicht mehr kontrollieren kann und genau dann wird einem bewusst, dass man einfach nicht alles im Leben kontrollieren kann.

Ich war mental sehr müde und dachte daran, wie sehr ich doch an Zeit und Geld gespart hatte um studieren zu können, während viele meiner Freunde schon ein eigenes Auto besaßen oder einfach bei ihrer Familie waren. Ich fühlte mich alleine und verlassen. Ich saß am Teich und weinte unaufhörlich.

“Was machst du jetzt?”, “Lohnt es sich, weiterzumachen” oder “Vielleicht bist du nicht gut genug” waren nur einige der Fragen, die ich mir stellte. Selbstzweifel kamen auf, Frustration und Resignation machten sich breit.

Ich suchte Antworten und fing beim Grundsätzlichen an. “Ich bin hier, weil ich mein Studium erfolgreich beenden möchte”. Aber ich wollte damals, als ich anfing, noch mehr. “Ich bin hier, um den Menschen zu zeigen, wer Mustafa wirklich ist und was er alles bewegen kann, wenn er möchte.”

Bleib ruhig und bewahre die Geduld

Denkt man später an die schwierigen Tage zurück, so weiß man, dass es sich gelohnt hat, geduldig zu sein und abzuwarten. Der Erfolg stellt sich meistens nach mehrmaligem Scheitern ein, denn Erfolg ist kein Berg, den man besteigt, sondern ein Slalom. Manchmal muss man drei Schritte zurückgehen, um dann zu springen. Das wichtigste nach dem Scheitern ist es, nicht aufzugeben und sich wieder zu motivieren, denn wer es nicht versucht, der hat schon verloren.

Der Moment der Verzweiflung

Bei jedem Scheitern gibt es eine Phase der Verzweiflung, diese gilt es zu überstehen. Es ist der Punkt, an dem man keine Kraft mehr hat und einfach alles nur noch hinschmeißen möchte. Je aussichtsloser die Situation, desto mehr hat meine keine Lust mehr auf andere Dinge.

Der Schmerz vergeht nicht sehr schnell

Man muss ehrlich sein und sich eingestehen Fehler gemacht zu haben. Mit Fehlern zu leben bedeutet auch, die Schmerzen, die Fehler mit sich bringen, zu ertragen. Dieser Schmerz vergeht nicht so schnell, besonders die ersten Tage wiegen sehr schwer, aber man lebt damit und vergisst ihn nach einer Zeit. Wichtig ist es, aus seinen Fehlern zu lernen und gegebenenfalls auch anderen Menschen zu helfen, diese Fehler nicht zu machen. Das hilft bei der Verarbeitung enorm, diese Erfahrung habe ich mehrmals gemacht.

Erfolg bringt Opfer mit sich

Die meisten Erfolgsgeschichten bringen Opfer mit sich, das größte und wertvollste, das ein Mensch opfert, ist die Zeit. Die Zeit, die man vielleicht für seine Familie oder sein Umfeld opfern könnte. Erfolg bringen manchmal Tränen und Verzweiflung mit sich, manchmal sogar Abschiede von Menschen oder Gewohnheiten. Der Weg der Mitte ist entscheidend. Man sollte nicht über Leichen gehen, aber auch nicht am Ehrgeiz sparen. Leichte Kurskorrekturen müssen nicht zwangsläufig ein Zeichen von Schwäche sein. Realist zu sein, ist immer ein guter Ratgeber.