Vorwurf der „christlichen Erziehung“

Schicksal von türkischen Pflegekindern: Parlament schaltet sich ein

Während des Türkeibesuchs von Innenminister Friedrich hatte der türkische Vizeregierungschef Bekir Bozdağ die Situation türkischer Pflegekinder in Europa beklagt. Nun will das türkische Parlament eine Untersuchung einleiten. (Foto: aa)

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Die Menschenrechtskommission des türkischen Abgeordnetenhauses will insbesondere Fragen über die religiöse Erziehung der Pflegekinder nachgehen. Nach Angaben der Regierung wurden in den vergangenen Jahren zwischen 5000 und 9000 Kinder und Jugendliche zwangsweise in Pflegefamilien untergebracht.

Ayhan Sefer Üstün, Vorsitzender der Kommission, bezeichnete dies als „Verstoß gegen die Menschenrechte“. Die Gründe, die Kinder ihren Familien zu entnehmen, seien scheinheilig. Es könne auch nicht sein, dass die Kinder bei Pflegefamilien mit einer „völlig anderen Kultur“ unterkämen.

Voneinander unabhängige Delegationen sollen in mehrere Länder reisen, um die Schicksale der Pflegekinder unter die Lupe zu nehmen. Die erste Delegation soll sich im April auf den Weg nach Deutschland machen. Es sei geplant, dass sie auch den Auftakt des NSU-Prozesses in München beobachtet und einen Bericht dazu erstellt, sagte Üstün.

In dieser Woche sorgte ein Fall in Belgien für Aufsehen, wo drei türkische Kinder gleichgeschlechtlichen Ehepaaren zugewiesen wurden. Zwei von ihnen kehrten nach langen Gerichtsverhandlungen wieder zu ihren eigentlichen Familien zurück, bei dem dritten Kind ist der Gerichtsprozess noch nicht abgeschlossen.

In Deutschland und der Türkei hatte Ende Januar das Schicksal von Elif Yaman (Foto, r.) für Schlagzeilen gesorgt. Die 19-jährige Yaman war im Alter von 12 Jahren einer christlichen Familie zugewiesen, ihre Mutter in die Türkei abgeschoben worden. Sieben Jahre danach fand die tragische Geschichte der jungen Frau im türkischen Sakarya ein glückliches Ende.