Schwere Krawalle überschatten Titel-Feiern von Galatasaray

Istanbul (dpa) – Wasserwerfer, umgestürzte Polizeiwagen und ein gestürmtes Spielfeld: Schwere Ausschreitungen haben am Wochenende den Triumph von Galatasaray Istanbul über den Erzrivalen Fenerbahce in der türkischen Fußball-Meisterschaft überschattet. Nach einer turbulenten Saison holte Galatasaray mit dem 0:0 gegen Lokalrivale Fenerbahce seinen 18. Titel in der Süper Lig. «Es war für keinen von uns ein leichtes Jahr», sagte Galatasaray-Trainer Fatih Terim nach dem Spiel. «Wir haben diesen Meisterschaftstitel verdient.»

Die Feier zehntausender Fans gingen dann aber in schweren Tumulten unter. Aufgebrachte Fenerbahce-Fans stürmten das Spielfeld im Sükrü-Saracoglu-Stadion auf der asiatischen Seite der Metropole. Feuerwerkskörper und Sitzschalen flogen. Die Polizei setzte Pfefferspray ein, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. Spieler mussten im Schutz der Polizei in die Kabinen flüchten.

Nach dem hart geführten Spiel und zwei Roten Karten standen beide Mannschaften am Ende nur noch mit zehn Mann auf dem Platz. Fenerbahce, bisher mit 18 Titeln alleiniger Rekordmeister, scheiterte bei dem Versuch, Galatasaray noch vom ersten Tabellenplatz zu verdrängen.

Wobei hinter der letzten Meisterschaft des Clubs noch immer ein großes Fragezeichen steht. Der türkische Fußball wird vom schwersten Betrugsskandal der letzten Jahre erschüttert. Fenerbahce-Präsident Aziz Yildirim sitzt weiter in Untersuchungshaft. Ihm und Dutzenden anderen Managern, Trainern und Spielern wirft ein türkischer Staatsanwalt vor, in der vergangenen Saison der Süper Lig Spiele mit hohen Geldbeträgen verschoben zu haben. Dazu soll auch das wichtige Match von Fenerbahce gegen Sivasspor gehören, in dem der Bosporus-Club am letzten Spieltag der Saison den Titel geholt hatte.

Der Verband TFF hat bisher eine Bestrafung der Vereine wegen möglicher Manipulationen vermieden, jedoch einzelne Spieler und Funktionäre zur Rechenschaft gezogen. Von den Entscheidungen unberührt bleiben die Ermittlungen und Verfahren der türkischen Justiz wegen der Fälle. In der vergangenen Woche hatte der TFF eine Regeländerung beschlossen, die den Versuch von Spielmanipulationen künftig weniger hart bestraft. Statt eines Zwangsabstiegs sieht das Reglement nun nur noch einen Punktabzug vor. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan unterstützt dies. Mit Spannung wird in der Türkei nun erwartet, ob auch die Europäische Fußball-Union (UEFA) diesen Weg akzeptiert.

Trotz des Heimvorteils konnte Fenerbahce die entscheidenden Punkte am Ende nicht holen. Wut und Enttäuschung waren groß. Auch nahe des Stadions gab es Zusammenstöße zwischen Fenerbahce-Fans und der Polizei, die mit Wasserwerfern und Tränengas anrückte. Nicht auszumalen, was passiert wäre, wenn Fenerbahce im «Süper Final» auch noch den 19. Titel geholt hätte.