Vorbereitungen auf Olympia

Arbeiter aus der Türkei und Zentralasien werden „wie Sklaven“ behandelt

Wenige Tage vor dem Olympia-Start beklagen Menschenrechtler weiterhin die Ausbeutung von Gastarbeitern in Sotschi. Das russische Nationale Olympische Komitee versichert aber, dass die Bauunternehmen nach wie vor kontrolliert werden. (Foto: dpa)

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Hungerlöhne oder gar kein Geld – die bis zur letzten Minute schuftenden Gastarbeiter in der Olympia-Stadt Sotschi haben ungeachtet verschärfter Kontrollen oft Grund zum Klagen. „Besonders für viele Migranten, die aus der Türkei oder den zentralasiatischen Republiken Usbekistan und Tadschikistan kommen, ist die Lage hier schwierig“, sagt der Menschenrechtler Semjon Simonow der Nachrichtenagentur dpa in Sotschi.

Mangels Russischkenntnissen hätten sie kaum eine Chance, gegen Bauunternehmer vor Gericht zu ziehen, um ihre ausstehenden Löhne einzuklagen. Im Durchschnitt verdiene ein Olympia-Arbeiter rund 20 000 bis 25 000 Rubel – also gerade einmal rund 500 Euro – im Monat.

Als Mitarbeiter der international renommierten Organisation Memorial setzt sich Simonow dafür ein, dass die manchmal „wie Sklaven“ ausgebeuteten Arbeiter über den Rechtsweg zu ihrem Geld kommen. „Elf Millionen Rubel haben wir auf diese Weise an Löhnen eingetrieben“, sagt er. Aber nicht alle Fälle seien erfolgreich. Es gebe Tausende Problemfälle in der Olympiaregion, betont er.

Auch die Organisation Human Rights Watch (HRW) beklagt massenhafte Verstöße gegen das russische Arbeitsrecht. Die vorwiegend aus armen Ex-Sowjetrepubliken stammenden Arbeitskräfte würden oft zu Hungerlöhnen von oft nicht einmal zwei Euro pro Stunde (80 Rubel) beschäftigt.

Bis zu 200 Arbeiter in einem Einfamilienhaus

Laut einem HRW-Bericht zahlen einige Subunternehmer von Baufirmen bisweilen über Monate keine Löhne und halten Pässe sowie andere Papiere der Arbeiter zurück, um sie zu erpressen. Oft wohnen demnach auch bis zu 200 Migranten in einem Einfamilienhaus. Viele seien in Schichten von zwölf Stunden ohne ausreichende Pause im Einsatz. Dieser Missbrauch werfe Schatten auf die Glitzerfassade der Spiele, kritisiert die HRW-Expertin Jane Buchanan.

Experten haben die Zahl der ausländischen Arbeiter mit mehr als 16 000 angeben – von insgesamt mehr als 100 000. „Die meisten von ihnen mussten inzwischen das Land verlassen. Aber es sind immer noch viele ausländische Arbeiter in der Stadt“, sagt Simonow. Die Kontrollen der Unternehmen auf Verstöße gegen das Arbeitsrecht würden fortgesetzt, sagte der Sprecher des russischen NOK, Ilja Dschus. Er wies zurück, dass es zu „massenhaften Verstößen“ gegen die Rechte von Arbeitnehmern gekommen sei.

Die Frauen und Männer arbeiten derweil weiter bis zur letzten Minute vor der Eröffnung am kommenden Freitag. Sie räumen Bauschutt weg und versuchen, im Schlamm Bäume zu pflanzen oder Rasen zu verlegen. Kein leichtes Arbeiten an der russischen Schwarzmeerküste, wo das Wasser auf den Straßen knöchelhoch steht.

Die Bausünden, davon sind Experten überzeugt, sind enorm bei diesem gigantischen Projekt, bei dem in sieben Jahren fast die gesamte Infrastruktur neu entstanden ist. Die ersten Gäste in den Hotels beklagen jede Menge Baupfusch, unfertige Zimmer und Anlagen. Olympia-Gastgeber Sotschi hat allerdings immer wieder versichert, dass am 7. Februar alles fertig sein wird. (dpa/dtj)