Tabuthema Politik: Griechische Fußballer üben Zurückhaltung

Legionowo (dpa) – «Bitte keine politischen Fragen.» Panos Korkodeilos war schnell zur Stelle. Wann immer Fußball-Profis aus dem griechischen Nationalteam nach den Konsequenzen der Parlamentswahlen im EURO-Krisenland oder den jüngsten Aussagen von Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Einhaltung der Sparbeschlüsse befragt wurden, schritt der Pressesprecher der Auswahl ein. Selbst die Bitte eines deutschen Journalisten, ein Foto des Bremer Abwehrspielers Sokratis mit der Europaflagge zu schießen, wurde mit ähnlicher Begründung abgelehnt.

Für alle Bemühungen der Medien, dem EM-Viertelfinale am Freitag (20.45 Uhr) gegen Deutschland aufgrund der wirtschaftspolitischen Kontroverse zwischen beiden Ländern zusätzliche Brisanz zuzuschreiben, brachten auch die Spieler wenig Verständnis auf. «Das ist ein Spiel – nichts anderes. So einfach ist das», kommentierte Angreifer Georgios Samaras. Auf den langen Monolog eines britischen Journalisten, wonach ein Zusammenhang zwischen Sport und Politik unbestritten sei und Samaras diesen nicht leugnen könne, antwortete der Profi von Celtic Glasgow kopfschüttelnd mit nur einem Wort: «No.»

Ähnlich barsch reagierte Konstantinos Katsouranis. Genervt verwies der Europameister von 2004 auf die Vereidigung des neuen Regierungschefs Antonis Samaras am Mittwoch. «Wir haben eine neue Regierung. Die kann politische Fragen beantworten. Wir sind hier, um Fußball zu spielen.»