Tr채nen bei Pirlo, Balotelli und Co.: Italiens Traum ist beendet

Kiew혻(dpa) – Am Ende eines gro횩en Turniers flossen nur noch die Tr채nen. Als Andrea Pirlo von Michel Platini die Silbermedaille umgeh채ngt bekam, bewahrte er noch m체hsam seine Fassung. Als Italiens genialer Spielmacher aber wenig sp채ter mitansehen musste, wie der UEFA-Pr채sident den Spaniern den EM-Pokal 체berreichte, fing selbst der Mann an zu weinen, der sonst noch nicht einmal nach wichtigen Siegen wie im Halbfinale gegen Deutschland seine Emotionen zeigt.

짬Italien, das Ende eines Traums쨩, schrieb die Zeitung 짬Corriere dello Sport쨩 nach dem dem체tigenden 0:4 im Fu횩ball-EM-Endspiel gegen Spanien. Besser h채tte man die Gef체hlslage dieser Mannschaft und eines ganzen Landes nicht zum Ausdruck bringen k철nnen.

Ausgerechnet jenes Team, das zuvor alle 체berrascht hatte mit seinem forschen und selbstsicheren Spiel, kassierte am Ende einer rasanten Entwicklung von der Skandalnudel 체ber den Au횩enseiter zum Titelkandidaten des Turniers die h철chste Niederlage, die es je in einem EM-Finale gab.

짬Wir waren nicht die gleiche Mannschaft wie vorher쨩, sagte Torwart Gigi Buffon. Und Leonardo Bonucci meinte: 짬Es ist so bitter, weil wir geglaubt haben, es packen zu k철nnen.쨩 Unsanfter als die Azzurri kann man aus einem Traum nicht aufwachen.

Pirlo fehlten nach dieser Schmach die Worte. Ohne auch nur kurz zu den wartenden Journalisten aufzuschauen, schlich er mit h채ngendem Kopf aus dem Stadion. Der 33-J채hrige war auch im Finale ein Spiegelbild des italienischen Teams.

Zwar hatte der gro횩e Stratege die 횥berraschungsmannschaft mit seinen Ideen und pr채zisen P채ssen 체berhaupt erst hineingef체hrt in dieses Spiel. Dort schleppte er sich dann aber genauso m체de und ausgelaugt wie alle anderen Italiener 체ber den Platz.

짬Einige von uns konnten gar nicht richtig laufen쨩, meinte Giorgio Chiellini. Nach drei Auswechslungen und der Verletzung von Thiago Motta konnte der viermalige Weltmeister diesen Horrorabend nicht einmal vollz채hlig zuende spielen. 짬Wir waren einfach nicht fit und nicht frisch쨩, haderte auch Trainer Cesare Prandelli. 짬Wenn es etwas zu bedauern gibt, dann die Tatsache, dass wir nicht genug Zeit hatten, um uns auf dieses Endspiel vorzubereiten.쨩

Pirlo lebte im Olympiastadion von Kiew aber noch etwas anderes vor: Wie man selbst in der bittersten Niederlage Gr철횩e zeigt. Lange vor der Siegerehrung umarmten er und Buffon die spanischen Spieler, die sie aus so vielen L채nderspiel- und vor allem Champions-League- Schlachten kennen. 짬Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft쨩, sagte Prandelli. 짬Sie hat gezeigt, dass man mit W체rde verlieren kann.쨩

So haben selbst die so brutal zuende gegangenen Wochen in Polen und der Ukraine dem italienischen Fu횩ball wahrscheinlich mehr Sympathien eingebracht als jeder einzelne seiner WM-Titel. Ein Team, das immer f체r seine Zerst철rungskunst ber체chtigt war, spielte auf einmal mutig. Und eine Mannschaft, die noch unmittelbar vor der EM in einen Manipulationsskandal verstrickt war, zeigte viel Fairplay. 짬Weine nicht Italien! Wir fahren erhobenen Hauptes heim. Ihr seid trotzdem Champions쨩, titelte deshalb 짬Tuttosport쨩.

Staatspr채sident Giorgio Napolitano lud die Mannschaft f체r Montag v철llig unabh채ngig vom Ausgang des Endspiels in seinen Palast in Rom ein. 짬Jeder von uns ist traurig 체ber die Niederlage, aber das kann die Erinnerungen an ein fantastisches Turnier nicht ausl철schen쨩, meinte Chiellini. 짬Wir haben mit Millionen von Italienern getr채umt. Und das muss der Anfang f체r unsere Zukunft sein.쨩

Diese Zukunft, so viel ist seit Sonntagnacht klar, wird weiter von Prandelli gestaltet werden. Der 54-j채hrige Reformer ist derart angetan von seinem Team, dass er alle Bedenken wegen des Manipulationsskandals oder der Anstrengungen in seinem Job beiseite schob. 짬Es gab Zeiten, als ich nicht ganz sicher war, ob ich weitermache쨩, sagte er. 짬Aber dieses Projekt muss weitergehen.쨩
Von Sebastian Stiekel und Wolfgang Jung, dpa