Trotz Digitalisierung: Gute Zeiten für türkische Buchverlage

Die türkische Buchverlagsbranche erlebte in den letzten Jahren einen beachtlichen Aufschwung. Die Verlagshäuser am Bosporus melden steigende Umsätze und eine rege Nachfrage nach gedruckten Medien. Auch digitale Publikationen sind auf dem Vormarsch. Im Jahr 2013 erreichte der Buchmarkt ein Volumen von schätzungsweise 1,7 Mrd. Euro. Der Verband der Verleger rechnet auch für die bevorstehenden Jahre mit einer weiteren Expansion.

Das Geschäft der Buchverlage in der Türkei boomt. Die Umsätze der Verlagshäuser verzeichneten in den vergangenen Jahren einen kräftigen Anstieg. Nach Angaben des türkischen Verbandes für Presse- und Verlagswesen (Türkiye Basın Yayin Birliği) erhöhte sich der Jahresumsatz von 600 Mio. (2008) auf rund 2,5 Mrd. Euro (2013). Mit diesen Branchenzahlen steht die Türkei im weltweiten Ländervergleich auf Platz 13, bestätigt der Verband. Der globale Trend zur Digitalisierung macht sich auch in der Türkei zunehmend bemerkbar. Dennoch sehen Fachleute für gedruckte Bücher und andere Publikationen weiterhin gute Absatzmöglichkeiten.

Die durchschnittliche Zahl der gekauften Bücher pro Einwohner stieg 2013 auf 7,1 Stück (zum Vergleich: 2011: 5,3; 2012: 6,4). Im Jahr 2013 veröffentlichten nach Angaben des Verbandes 1.732 türkische Verlage insgesamt 47 352 Buchtitel (erteilte ISBN-Nummern). Die gesamte Bücherproduktion im Land beziffert der Verband auf 536,3 Mio. Stück. Darunter sind 206,2 Mio. Lehrbücher, die vom Erziehungsministerium bestellt und in Schulen kostenlos verteilt werden. Die kommerzielle Vermarktung der Bücher erfolgt im Einzelhandel über rund 6000 Buchhandlungen. Diese werden von 150 Vertriebsfirmen beliefert.

Die Zahl der öffentlichen Bibliotheken in der Türkei wird mit Stand Ende 2013 mit 1117 angegeben. Sie sind der Generaldirektion für Bibliotheken und Publikationen (Kütüphaneler ve Yayimlar Genel Müdürlügü) zugeordnet. Im Jahr 2013 wurden ihnen rund 9 Mio. Türkische Lira (TL; etwa 3,1 Mio. Euro; 1 Euro = 2,88 TL) aus dem Etat der Generaldirektion bereitgestellt. Mit dem Budget konnten mehr als 1,1 Mio. Bücher beschafft werden.

Lehrbücher stehen für mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes

Mit etwa 1,179 Mio. US$ hatten Lehrbücher einen Anteil von mehr als 50% am gesamten Einzelhandelsumsatz für Bücher 2013 (etwa 2,314 Mio. $). Der Rest verteilte sich auf Belletristik (900 Mio. $), akademische Publikationen (85 Mio. $) und importierte Bücher (150 Mio. $). Die Einzelhandelspreise für Belletristik bewegten sich nach Angaben des Verbandes zwischen 5,50 und 10,00 $. Bei akademischen Büchern lag die Preisspanne zwischen 8,20 und 11,00 $. Der Verkauf von Büchern unterliegt in der Türkei einem ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 8% (Regelsatz: 18%).

Wichtiger Akteur im Einzelhandelsvertrieb von Büchern ist die Firma D&R Store. Das Unternehmen hat im Bereich Belletristik einen Marktanteil von 12%, erklärt der Generaldirektor Kürsat Demircioğlu. Es verkaufte 2013 täglich mehr als 50 000 Bücher und strebt 2014 einen Absatzzuwachs von 30% an. Über seine Fachhandlungen vermarktet D&R Store in- und ausländische Musik, Filme, Mobiltelefone, PC-Spiele und Schreibwaren.

Mit der positiven Marktentwicklung wächst auch im Ausland das Interesse an türkischen Publikationen. Die Zahl ausländischer Buchmessen, an denen das Land als Partner beziehungsweise Ehrengast („Partner of Honour“) teilnimmt, steigt. Auf der Londoner Buchmesse 2013 konnte die Türkei Verträge für etwa 30 Buchtitel abschließen, bestätigte der Verbandspräsident Münir Üstün. Weitere Messeteilnahmen als Ehrenpartner sind 2014 in Beijing und 2015 in Madrid vorgesehen.

Die Zahl der Buchtitel nach Themen teilte sich in der Türkei 2012 wie folgt auf: Literatur und Rhetorik 14 726; Gesellschaftswissenschaften 14 542; Philosophie und Psychologie 1933; Erdkunde und Geschichte 2867; Religion 2826; Technologie (angewandte Wissenschaften) 2104; Kunst (schöne Künste) 1420; Naturwissenschaften und Mathematik 656; Sprachen und Philologie 651; Sonstige 901 – insgesamt 42 626 (Quelle: Türkischer Verband für Presse und Verlagswesen)

Regierung fördert die Verbreitung türkischer Literatur im Ausland

Das Interesse türkischer Leser an ausländischen Büchern sorgt für steigende Nachfrage nach fremdsprachiger Literatur in türkischer Übersetzung. Gleichzeitig gewinnt die Übersetzung türkischsprachiger Werke in Fremdsprachen an Bedeutung. Diese Aktivitäten fördert die Regierung des Landes durch die Generaldirektion für Bibliotheken und Publikationen des Ministeriums für Kultur und Tourismus (Kültür ve Turizm Bakanligi). So werden im Rahmen des TEDA-Programms zur internationalen Verbreitung der türkischen Literatur („Türk Edebiyatinin Disa Acilimi Programi“) verschiedene finanzielle und organisatorische Hilfen gewährt. Nach Angaben des Ministeriums wurden zwischen 2005 und 2012 insgesamt 794 Buchtitel, 367 Autoren und 358 Verlagshäuser für die Publikation in 57 Ländern beziehungsweise in 54 Sprachen gefördert.

Im Vergleich zu westlichen Ländern hält sich der türkische Markt für elektronische Bücher (E-Bücher) mit einem Anteil von nur 1,3% am gesamten Büchermarkt des Landes noch in überschaubaren Grenzen. Dennoch wächst er in einem raschen Tempo. Die Zahl der publizierten E-Buchtitel stieg von 1314 im Jahr 2011 auf 2928 im Jahr 2012. Neben Büchern werden auf Online-Portalen auch mehrere Zeitschriften und Magazine veröffentlicht.

Experten zufolge soll der Anteil der E-Bücher am gesamten türkischen Buchmarkt in den kommenden fünf Jahren auf rund 10% ansteigen. Die Zahl der E-Buchkäufer wird zurzeit auf rund 10 000 geschätzt, während die gesamte Leserschaft von E-Büchern bei etwa 250 000 liegen soll. Im Jahr 2012 wurden insgesamt 38 886 E-Bücher verkauft.

Der zukunftsträchtige Markt lockt immer mehr Anbieter an. Neben den bekannten Online-Buchportalen von Idefix und D&R eröffneten inzwischen auch Technologiefirmen wie Turkcell und TTNET eigene Plattformen, über die sie E-Bücher vermarkten. (gtai.de)