Insolvenzen nicht immer selbst verschuldet

Türkei: Pleitewelle bei Unternehmen

In der Türkei spricht man inzwischen von einer Pleitewelle. Immer mehr Unternehmen bekommen Schwierigkeiten wegen der schwachen Landeswährung. Fast alle Branchen sind von der Entwicklung betroffen.

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Trotz Wirtschaftswachstum in der Türkei haben immer mehr Unternehmen Probleme. So haben Banken zuletzt die „Elgin Şirketler Grubu“, den größten Zitrusfrüchte-Exporteur in Çukurova, übernommen. Offiziell wurden „Zahlungsschwierigkeiten“ als Grund angegeben. Unternehmenschef Aslan Ergin schulde seinen Mitarbeitern, Zulieferern und den Banken über 300 Millionen TL (etwa 103 Millionen Euro). Ergin ist mittlerweile untergetaucht.

Fast alle Branchen von Entwicklung betroffen

Ähnliche Szenarien gibt es auch beim Textilhersteller „Seven Hill“. Anfang der Woche hatte das Unternehmen Insolvenz angemeldet. Auch der Geflügelzüchter „Şeker Piliç“ hat Zahlungsschwierigkeiten und schuldet seinen Gläubigern 200 Millionen TL (etwa 69 Millionen Euro). Das in 30 Länder exportierende Metallunternehmen „GÇS Metal“ hat sich unter die zahlungsunfähigen Unternehmen eingereiht.

Pleiten nicht immer selbst verschuldet

Die Pleiten in der türkischen Unternehmenslandschaft sind aber nicht immer selbst verschuldet. Alleine durch den Werteverfall der Türkischen Lira seien die Schulden um 20 Prozent gestiegen, so Ilker Önel vom Vorstand der Händler-Vereinigung in Istanbul (İstanbul Tüccarlar Kulübü). Das Land ist auf Rohstoffe aus dem Ausland angewiesen und muss diese an den internationalen Märkten mit Dollar kaufen. Deswegen sollten Spekulationsgeschäfte mit Währungen an den Märkten unterbunden werden, so Önel. Zudem ist die Zahl der ungedeckten Schecks im ersten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 70 Prozent gestiegen.

Auch Tourismussektor betroffen

Auch Unternehmen im Tourismussektor haben mit Problemen zu kämpfen. Erst im März musste das 1,4 Milliarden Dollar teure Mardan Palace Hotel wegen Zahlungsschwierigkeiten an die „Halk Bankası“ verkauft werden. Die Entscheidung hatte die 4. Vollstreckungsbehörde in Antalya (4. İcra Dairesi) entschieden. Auch die „Noa Şirketler Grubu“ mit ihren acht Hotels an der Ägäis und dem Mittelmeer hat finanzielle Probleme und sucht ihre Rettung vor Gericht.

Die Angst in der Türkei vor einer weiteren Pleitewelle bleibt angesichts dieser Entwicklungen. Auch größere Unternehmen sind nicht vor solchen Entwicklungen geschützt. Durch die Pleite etwa der „Orion Holding“ waren 22.000 Angestellte betroffen.