Rechte sexueller Minderheiten

Türkei: Proteste gegen Mord an LGBT-Aktivistin Hande Kader

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Der Mord an einer bekannten transsexuellen Aktivistin hat in der Türkei zu Protesten geführt. Letzte Woche wurde im wohlhabenden Istanbuler Stadtteil Zekeriyaköy die Leiche der 23-jährigen Aktivistin Hande Kader entdeckt, nachdem Freunde sie einige Tage zuvor vermisst gemeldet hatten. Kader wurde mehrfach vergewaltigt und bestialisch verstümmelt, unter anderem sollen ihr die Arme abgehackt worden sein. Ihre Leiche wurde verbrannt und konnte nur mittels Zahn- und DNA-Proben identifiziert werden.

Nachdem in türkischen Medien nicht über den Fall berichtet wurde, stieg die Empörung, als er sich über soziale Netzwerke verbreitete. Unter dem Hashtag #HandeKadereSesVer („Gib Hande Kader eine Stimme“) machten Tausende ihrer Trauer und ihrem Unmut Luft. Daraufhin zogen am Sonntag mehrere hundert Demonstranten über die Istiklal Caddesi nahe dem Taksim-Platz, um gegen Diskriminierung, Gewalt gegen sexuelle Minderheiten und die Gleichgültigkeit der türkischen Mehrheitsgesellschaft diesen Themen gegenüber zu protestieren. Die Demonstration blieb friedlich, es kam zu keinen Verhaftungen.

Hande Kader war ein bekanntes Gesicht der türkischen LGBT-Szene (Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender) und setzte sich für deren Rechte ein. Bekanntheit erlangte sie über Istanbul hinaus unter anderem durch ein Foto, das sie auf der Gay Pride in Istanbul zeigt. Als diese von der Polizei aufgelöst wurde, stellte sie sich den Wasserwerfern in den Weg und wurde letztendlich von Polizisten eskortiert.

Ihre Ermordung ereignete sich in sowohl zeitlicher als auch räumlicher Nähe zum Fund des Körpers von Muhammad Wissam Sankari. Zwei Wochen zuvor war in Yenikapı die Leiche des homosexuellen syrischen Flüchtlings aufgefunden worden, Sankari wurde misshandelt und enthauptet. Kurz zuvor hatte er sich die Istanbuler LGBT-Organisation KaosGL gewendet und berichtet, dass er von „männlichen Banden“ bedroht werde. Weder im Fall Kader noch im Fall Sankari kam es bisher zu Festnahmen.

Laut Datenerhebungen der Menschenrechtsorganisation Transgender Europe hat die Türkei die höchste Rate von Gewaltverbrechen und Morden an sexuellen Minderheiten aller europäischen Länder. Hinzu kommt, dass die Aufklärungsrate sehr gering und die Dunkelziffer nicht zuletzt aufgrund des sozialen Drucks sehr hoch ist. Vor allem Homo- und Transsexuelle sind in der Türkei nach wie vor großer Diskriminierung ausgesetzt und insbesondere Transsexuelle berichten davon, oft zur Prostitution gezwungen zu werden. Sowohl letztes als auch dieses Jahr hatten die Behörden die Gay Pride Parade, mit der die LGBT-Szene auf ihre Rechte aufmerksam machen und gegen die allgegenwärtige Diskriminierung protestieren will, verbieten lassen.