Türkei auf Platz drei der Kaiserschnittstatistik

Laut einer Studie des Ministeriums für Arbeit und soziale Sicherheit belegt die Türkei unter den Ländern mit den häufigsten Kaiserschnittgeburten den dritten Rang. Die auf Untersuchungen der Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) basierende Studie weist aus, dass von 100 Geburten in türkischen Krankenhäusern 42,7 durch einen Kaiserschnitt erfolgen. Der weltweite Durchschnitt liege bei 25,8 %.
Seit Jahren fordert Erdoğan eine Geburtenrate von mindestens drei pro Frau ein und stößt damit nicht bei allen Familien auf Zustimmung. Bei weniger Kindern, so Erdoğans Argumentation, werde auch die Türkei ähnlich wie westeuropäische Staaten ab 2030 mit einer überalterten Bevölkerungsstruktur zu kämpfen haben. Da eine Frau nach zwei Kaisergeburten keine Kinder mehr zur Welt bringen könne, sieht er in der zunehmend steigenden Kaiserschnittstatistik eine Gefahr für sein ehrgeiziges Vorhaben. Vor allem die aus gesundheitlicher Hinsicht nicht zwingend erforderlichen Geburten per Kaiseschnitt, deren Anteil laut der WHO 21,2 % beträgt, sind Erdoğan ein Dorn im Auge.
Der AKP-Führer hatte Ende Mai mit seiner Äußerung „Ich sehe Abtreibung als Mord. Ich frage Sie: Was ist ist der Unterschied, ein Kind im Bauch der Mutter oder nach der Geburt zu töten?“ eine Diskussion angestoßen, die mittlerweile viele Frauenrechtlerinnen und -organisationen auf den Plan gerufen hat. Sie protestieren gegen die Abschaffung des Abtreibungsrechts, das seit 1983 in der Türkei gilt. Die „Selbstbestimmung über den eigenen Körper“ sei ein grundlegendes Menschenrecht. Der Premierminister hingegen teilt diese Ansicht nicht. „Ich bin für alle Lebensbelange in diesem Land verantwortlich“, erklärte er bei der Eröffnung eines privaten Krankenhauses in Istanbul.
 
Mustafa Görkem