Mitten aus dem Leben

Allgemeine Verkehrskontrolle – „Enschulligense, Herr Polisei“

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Das ist viele Jahre her. Ich hatte Nachtdienst. Vor kurzem erst wurde ich als junger Polizist ins Polizeipräsidium Bonn versetzt. Mein Kollege und ich fuhren eine Weile Streife und entschieden uns aus Langeweile den Streifenwagen abzustellen, um eine allgemeine Verkehrskontrolle durchzuführen. Das Wetter war mild und ich stand sportlich in Hemd und mit Mütze auf dem Kopf am Straßenrand.

Es dauerte nicht lang und ein silberner Golf 1 kam angefahren. Wir winkten den Fahrer in eine Parktasche an der Straßenseite. So konnte ich gefahrlos an die Fahrerseite herantreten. Ich gab dem Fahrer geschult gekonnt per Handzeichen zu verstehen, die Scheibe runter zu kurbeln. Beim Heranwinken hatte ich schon erkannt, dass er nicht angeschnallt war. So leicht ist Beute zu machen, dachte ich.

„Guten Abend, Tuna mein Name. Polizei Bonn. Ich habe Sie für eine allgemeine Verkehrskontrolle angehalten. Und wie ich gesehen habe, sind Sie ohne Sicherheitsgurt gefahren. Führerschein und Fahrzeugschein bitte.“

Der Fahrer, um die 55, mit türkischem Schnäuzer, drehte sich zur dunkelhaarigen jungen Dame, vermutlich 20-22 Jahre, auf dem Beifahrersitz und sagte auf Türkisch: „Tüh ya, yedik cezayı.“ (So ein Pech, jetzt müssen wir zahlen). Mein Kollege stand auf der anderen Seite und schaute bei der Beifahrerin herein. Er schien Gefallen an dem hübschen Mädchen gefunden zu haben. Zumindest waren seine Augen auf sie gerichtet, statt auf mich. Ich nahm es ihm nicht übel. Der ältere Herr sah jetzt nicht gefährlich aus, da schien es nicht notwendig, von meinem Kollegen schützend im Auge behalten zu werden.

Der Mann kramte hektisch nervös und reichte mir seine Papiere. Er war ob seines Verstoßes offensichtlich sehr betroffen und murmelte mit gebrochenem Deutsch: „Enschulligense Herr Polisei. Das wah wirrklisch meine Fehla. Isch gebe su.“ Das fand ich sehr ehrlich. So ein Fehler könne jedem mal passieren, antwortete ich ihm freundlich auf Türkisch. Ich wollte ihm auch noch sagen, dass ich ihn nun mal leider jetzt damit erwischt hätte und das nicht unbesehen lassen könne. Allerdings kam ich nicht mehr dazu. Denn er riss die Tür auf und sprang mir um den Hals.

„Sen Türk mü sün? Çok gururlandım evladım. Ne cezası kesersen kes!“ (Bist du Türke? Bin sehr stolz auf dich mein Junge! Ich zahle was du willst!). Der Mann war aufgeregt und schien überglücklich.

Mein Kollege stand wie versteinert auf der Beifahrerseite. Er wusste nicht, ob er mir zu Hilfe eilen oder lachen sollte. Ich beruhigte den Mann und freute mich natürlich darüber, das Verwarngeld in dieser Situation leichter zu kassieren. Natürlich freute ich mich aber auch besonders über die Worte des Mannes. Wir tauschten kurz zwei drei Sätze aus. Schließlich wollte er mir auch unbedingt seine Tochter vorstellen, die das Ganze vom Beifahrersitz aus beobachtet hatte. Mein Kollege kam sich derweil wie ein Ausländer vor, erzählte er mir später im Streifenwagen und fragte mich, ob ich seine Tochter attraktiv fand.