T체rkische Nahost-Exporte durch Konflikt gef채hrdet

Von Seyfettin G체rsel

Mit jedem Tag wird das S채belrasseln lauter. Das Risiko eines bewaffneten Konflikts mit Syrien war niemals zuvor so gro횩 wie heute. Es ist zu hoffen, dass die Eskalationsgefahr unter Kontrolle gebracht werden kann, bevor tats채chlich ein Krieg zwischen der T체rkei und Syrien losbricht. Selbst wenn die Eind채mmung des Konfliktes gelingen w체rde, bleibt zu bef체rchten, dass der Syrienkonflikt trotzdem das Klima des Misstrauens, wenn nicht sogar der Feindseligkeit zwischen Ankara auf der einen und Teheran bzw. Bagdad auf der anderen Seite verst채rken k철nnte. Solche Spannungen k철nnten den t체rkischen Exporten gerade jetzt, in einer Zeit, in der sie dringend ben철tigt wird, massiven Schaden zuf체gen.

Noch Ende 2010 bedienten die Exporte aus der T체rkei erfolgreich viele verschiedene M채rkte. T체rkische Exporte wuchsen von 107 Milliarden US-Dollar im Jahre 2007 auf 135 Milliarden Dollar im Jahr 2011. In dieser Zeit stieg der Anteil der Exporte in den Nahen Osten und nach Nordafrika signifikant von 16% auf 23%. Besonders die t체rkischen Exporte nach Syrien, in den Irak und in den Iran profitierten von dem beeindruckenden Boom jener vier Jahre. So wuchs das auf diese drei L채nder bezogene Exportvolumen von f체nf Milliarden auf 13 Milliarden Dollar.

Exportvolumen regelrecht zusammengesackt

Der B체rgerkrieg, der Syrien verw체stet, hat sich jetzt schon nachteilig auf die t체rkischen Exporte in das Land ausgewirkt. Die Exporte nach Syrien erreichten 2010 mit 1,8 Milliarden Dollar ihren H철hepunkt. Schon letztes Jahr, als die K채mpfe begannen, schrumpfte das Exportvolumen auf 1,6 Milliarden Dollar. Doch dieses Jahr war der Einbruch dramatisch: waren 2011 im gleichen Zeitraum eines Jahres noch 1,16 Milliarden Dollar an Exporten get채tigt worden, betr채gt das Volumen in diesem Jahr nur noch etwa 360 Millionen Dollar. Verglichen mit der Gesamtheit der t체rkischen Exporte machten die Ausfuhren nach Syrien nur etwa 1,5 Prozent aus.

Der Anteil der Exporte in den Irak und nach Iran ist mit insgesamt 15 Prozent gemessen am t체rkischen Gesamtexportvolumen w채hrend der ersten acht Monate 2012 hingegen viel gr철횩er. Diese Menge ist nicht unerheblich schon eine geringe Verschlechterung dieser Exporte k철nnte den Ausgleichsprozess des Leistungsbilanzdefizits gef채hrden und zu einer weiteren Reduzierung der Wachstumsrate f체hren.

Die Frage ist also: K철nnte ein anhaltender oder eskalierter Konflikt mit Syrien die t체rkischen Exporte in den Irak und nach Iran negativ beeintr채chtigen? Im Falle von Iran ist man dazu geneigt, mit 얧ein zu antworten. Westliche Sanktionen haben den Iran bereits in die Enge getrieben und seine wirtschaftliche Situation verschlechtert sich t채glich. Trotz der schrumpfenden 횜limporte ist die T체rkei immer noch ein Hauptabnehmer f체r iranisches Erdgas. Der Iran ben철tigt au횩erdem dringend viele t체rkische Waren, um den Bedarf des heimischen Marktes nach Konsumg체tern zu decken. Die iranische Regierung wird es sich zweimal 체berlegen, den Handel als Druckmittel gegen die T체rkei einzusetzen.

Der Irak als unsicherer Kantonist

Beim Irak hingegen kann das Risiko von Vergeltungsma횩nahmen in Form von Handelsbestimmungen nicht unber체cksichtigt bleiben. Anders als f체r den Iran sind t체rkische Waren f체r die irakische Wirtschaft nicht unverzichtbar, au횩er f체r die Wirtschaft in den kurdischen Autonomiegebieten. Der Gesamtwert der Exporte in diese Region ist nicht bekannt, doch d체rfte er betr채chtlich sein. Es ist bemerkenswert, dass der Handel mit dem Irak falls es zu keinen Zwischenf채llen kommt am Ende dieses Jahres den Handel der T체rkei mit Deutschland 체berfl체geln wird. Voraussichtlich werden Exporte im Wert von 11 Milliarden Dollar in das Zweistromland get채tigt.

Wird der irakische Ministerpr채sident Maliki sich veranlasst sehen, einen Handelskrieg zu beginnen? Meine Antwort darauf ist: 얣a, das ist durchaus m철glich. Die Beziehungen zwischen den beiden L채ndern sind momentan eher schlecht, da die T체rkei dem – in seinem Heimatland in einem Schauprozess zum Tode verurteilten ehemaligen irakischen Vizepr채sidenten Tarek Al-Hashimi Schutz gew채hrt. Des Weiteren hat sich Maliki beim Syrienkonflikt offen auf die Seite des Iran gestellt. Obwohl der Iran seine Handelsbeziehungen mit der T체rkei nicht direkt besch채digen w체rde, k철nnte er den Irak zu ermutigen versuchen, genau das zu tun. Die Signale, die in den letzten Wochen aus Bagdad kamen, deuten darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios w채chst.

In einer Zeit, in der sich die t체rkischen Exporte in die EU im freien Fall befinden man muss von einer Verringerung des Handelsvolumens von 4 Milliarden Dollar in nur einem Jahr und damit verbunden einer Schrumpfung des Gesamthandelsanteils der T체rkei von 48 auf 38 Prozent ausgehen muss die T체rkei unbedingt die steigenden Exporte in seine energiereichen Nachbarstaaten fortsetzen. Solange sich der syrische B체rgerkrieg fortsetzt, wird auch das Risiko nachteiliger Auswirkungen auf die T체rkei steigen. Die weitere Sch채digung der t체rkischen Exporte k철nnte eines der Resultate sein, ganz abgesehen von anderen m철glicherweise entstehenden Kosten, wie etwa zus채tzlichen Milit채rausgaben.

Putins Ankara-Besuch und seine Bedeutung

Die T체rkei hat ihr Interesse zum Ausdruck gebracht, sich bei einer schnellen L철sungsfindung im syrischen B체rgerkrieg zu beteiligen, ein Unterfangen, das voraussichtlich in Kooperation mit Russland und Iran durchgef체hrt wird. Vor dem Hintergrund des Syrienkonfliktes haben die westlichen Verb체ndeten der T체rkei erkennen lassen, dass sie die Lage zwar ernst nehmen, aber hinsichtlich allf채lliger Ma횩nahmen 채u횩erst zur체ckhaltend sind.

Die j체ngsten 횆u횩erungen des t체rkischen Au횩enministers Davuto휓lu besagen, dass der Hauptunterschied zwischen der t체rkischen und der russisch-iranischen Position die Gestaltung der 횥bergangszeit in Syrien ist: Die T체rkei besteht auf einem 횥bergang ohne Baschar al-Assad, wohingegen Russland und Iran wollen, dass er in seinem Amt bleibt. Die letztere Variante erscheint unrealistisch und es bleibt zu hoffen, dass sehr bald eine Einigung, basierend auf gemeinsamen Standpunkten, erzielt werden kann. Der bevorstehende Besuch des russischen Pr채sidenten Putin in Ankara k철nnte daf체r entscheidend sein.