Usbekistan

NATO eröffnet Verbindungsbüro in Zentralasien

Die NATO eröffnete am Freitag ihre erste Regionalvertretung in Zentralasien. Taschkent, die Hauptstadt Usbekistans, wird vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise mit Russland vom Westen geopolitisch aufgewertet. (Foto: reuters)

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Das neue NATO-Büro soll sich insbesondere der Intensivierung der Zusammenarbeit mit den Turkvölkern Zentralasiens widmen und auf diese nachhaltig einwirken. Ein kleiner Stab von Militär- und Politikexperten soll das Verbindungsbüro des westlichen Militärbündnisses vor Ort ergänzen.

Man wünscht sich, schnell in ausgewählten Feldern konkrete Kooperationen mit den Offiziellen vor Ort ausarbeiten zu können. Dazu gehören die militärische Verteidigungsplanung und dessen strategische Analyse, Truppenausbildungsprogramme, die zivile Notfallplanung und die Zusammenarbeit in wissenschaftlichen sowie Umweltfragen. Die neue NATO-Diplomatie soll nun auch öffentlich klar machen, dass der russische Klammergriff um die fünf postsowjetischen Republiken Zentralasiens nicht selbstverständlich wäre. Man möchte den Menschen vor Ort offenbar eine politische Alternative zu den angeblichen russischen Großmachtambitionen bieten.

Auch nahm der Sonderbeauftragte des NATO-Generalsekretariats Zentralasien und Kaukasus, James Appathurai, an der Eröffnungszeremonie in Taschkent teil. Während seines zweitägigen Besuchs in der usbekischen Hauptstadt vom 16.-18. Mai plante Appathurai zahlreiche Treffen mit hochrangigen Offiziellen der Region ein.

Erste Beziehungen reichen bis 1991 zurück

Die ersten Beziehungen zwischen Usbekistan und der NATO waren dem US-amerikanischen Außenministerium zufolge 1991 begründet worden. Bereits kurze Zeit später wurde Usbekistan Mitglied des NATO-Programms „Partnerschaft für den Frieden“. Bis ins Jahr 2005 näherte sich Taschkent dem Westen weiter an, so bildeten Spezialisten der Allianz unter anderem usbekische Spezialkräfte aus.

Als sich aber am 13. Mai eines der schlimmsten Massaker überhaupt in der ehemaligen Sowjetunion ereignete, brachen die Beziehungen abrupt ab. In der usbekischen Stadt Andischan eröffneten Sicherheitskräfte das Feuer auf mehrheitlich unbewaffnete Demonstranten. Sie töteten Hunderte Männer, Frauen und Kinder, für die es kein Entrinnen gab.

Doch entdeckte die NATO 2008 das zentralasiatische Land als strategisch wichtigen Partner in der Region zwischen Iran, Russland und China wieder, als es darum ging, ein Abkommen zur Zerstörung der giftigen Raketentreibstoffkomponenten des Landes zu unterzeichnen. Im Jahr 2009 trat das Land schließlich der sogenannten „Northern Route“ bei, die die internationalen Streitkräfte der NATO in Afghanistan mit wichtigen Ressourcen logistisch versorgte.

In Anerkennung der wichtigen Rolle Usbekistans in der Region haben die USA und ihre NATO-Verbündeten Taschkent darüber hinaus angeboten, Zugang zu lukrativen Infrastrukturprojekten in Afghanistan zu erhalten.

Angst vor eurasischer Konkurrenz

Während sich die EU vor einer massiven Bewährungsprobe in der Ukraine befindet, setzen die USA nun auch auf eine Politik der Deeskalation gegenüber dem ehemals der „Achse des Bösen“ zugerechneten Iran und lässt die NATO lieber Stellung gegen Russland beziehen.

Russlands Eurasische Union ist ein Konkurrenzprojekt, das vor allem die Europäische Union nicht gewillt ist, vor seiner Haustür zu akzeptieren. Mit dem verstärkten Engagement der NATO in Zentralasien wird nun ein neues Kapitel der militärischen Ausrichtung des Westens gegen Russland geschrieben.

Zudem ist Zentralasien eine große Chance für das einflussreiche NATO-Mitglied Türkei. Dort könnten sich große ökonomische Potenziale für die türkische Industrie herauskristallisieren. Das Land könnte so nicht nur Vertreter eines militärischen Bündnisses in der Region sein, sondern auch seine ökonomische Dynamik politisch ausspielen. Insbesondere Europa würde vom türkischen Engagement profitieren, denn dieses bietet sich bereits heute als Energiebrücke an, wenn aserbaidschanisches Öl alternativ zu Russland in die Metropolen Kontinentaleuropas gepumpt werden soll.