Warum der türkische Film gut ist

Viele denken bei Türkischen Filmen direkt an Recep Ivedik. Also Komödien ohne einen besonderen Plot und wenig Spannung und Tiefe. Derbe Witze, zugespitzte Charaktere und wenig sinnvolle Dialoge. Diese Filme sind meistens billige ‚Instant-Produktionen‘, die innerhalb von kurzer Zeit gedreht und produziert wurden – das sieht man ihnen auch besonders an. Die Massen lachen aber mehr nimmt man nicht mit. Besonders bei ausländischen Zuschauern kommen diese Filme überhaupt nicht gut an und seien wir mal ehrlich, sie lassen das Türkische Kino nicht in einem guten Licht stehen.

Es gibt mehr als Recep Ivedik

Das Türkische Kino hat allerdings viel mehr zu bieten als vulgäre Komödien und kitschige Liebesfilme. Bereits seit mehreren Jahren werden hervorragende Dramen produziert, die mit ihren Schauspielern und den Drehbüchern hervortreten. Darin ist die Branche sehr gut, denn wenn Türken etwas können, dann ist es Gefühle und Emotionen einzufangen. Filme wie Babam ve Oglum – Mein Vater und mein Sohn oder Mutluluk – Der Ehrenmord sind Musterbeispiele, wie die Künstler die Geschichten und Ereignisse aus ihrem Land eindrucksvoll in Szene setzen können. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass die schauspielerische Leistung der Türken in Dramen um einiges die der Deutschen und vielen Amerikanischen Schauspielern übertrifft.

In diesem Genre sind die Türken sehr erfolgreich, weil sie genau das vertreten, was dem Europäischen Film anerkannt wird: Authentizität. Das vereinen sie mit der Emotionalität, die aus dem Temperament der Kultur entspringt.

Der Zeitgeist wird exzellent eingefangen

Allerdings hat sich in dem Genre der Komödie auch einiges getan. Die Neueren Produktionen wie Hadi Insallah und aktuelle Kocan Kadar Konus sind Kassenschläger und unheimlich gute Komödien im Stil US-amerikanischer Filme. Sie erzählen vom alltäglichen Wirrwarr, indem sie es schaffen, den Zeitgeist extrem gut einzufangen. In dem Film Kocan Kadar Konus, der zurzeit auch in den Deutschen Kinos zu sehen ist, geht es z.B. um eine junge Türkin Anfang 30 und single, die sich lieber mit dem Geist ihres Lieblings Schriftstellers unterhält, als mit anderen Menschen. Drei gescheiterte Beziehungen hat sie bereits hinter sich und muss sich zudem auch noch von ihrer Familie anhören, dass sie mit Anfang dreißig bereits eine alte Jungfer ist, zudem ihre 20-jährige Cousine sich gerade erst verlobt hat. Auf einer Party begegnet sie dann ihrer ersten großen Liebe und ab dem Zeitpunkt fängt das Chaos an. Sie muss sich Unterricht in Rumgezicke und Männerverführung unterziehen. Dazu weihen sie ihre jüngeren Schwestern in die Regeln von Facebook und Twitter und Instagram ein. Eine Geschichte, mit der sich sehr viele junge Frauen identifizieren können.

Was diese Filme so lustig macht ist, dass sie auf viele kleine Details eingehen und die Zielgruppe direkt ansprechen, indem sie sie widerspiegeln. Außerdem wird viel Herzblut und auch Geld in die Produktion gesteckt. Denn was gut sein soll, braucht Zeit.

In den arabischen Ländern sind Türkische Film- und Serien-Produktionen bereits Knüller, wenn man ihnen noch einmal die Aufmerksamkeit schenkt, die sie verdienen, können sie in Europa ebenfalls so erfolgreich sein.