Warum der Weltfrauentag bedeutungslos ist

Am 8. März war also internationaler Frauentag. Für mich hat dieser Tag keine Bedeutung, denn an diesem Tag wird nichts großartig Weltbewegendes getan, das unser Leben erleichtern könnte. Es wird uns nur für einen Tag noch stärker vor Augen gehalten, wie schwer es ist, eine Frau zu sein. Anschließend dieselben Versprechen wie jedes Jahr: Gleichberechtigung in jeder Hinsicht! Abschaffung der Doppelmoral! Mehr Respekt und Schutz für Mütter! Sexismus bekämpfen! Sozialen Druck und Reduzierung auf das Äußere beenden! Ja ja. Deswegen hat dieser Tag keine Bedeutung für mich – es wird viel gesagt und nichts getan. Ich habe keiner Frau dazu gratuliert und werde es auch vorerst nicht tun.

Eine Orientalin zu sein ist schwer

Eine Frau zu sein, ist schwer und eine orientalische Frau zu sein, setzt dem noch einen drauf. Die Orientalen halten sehr stark an Traditionen fest, selbst tausende Kilometer und etliche Kulturen von der ‚Heimat‘ entfernt. Selbstverständlich hat das seine guten Seiten, allerdings auch schattige. In genau diesen Schatten spielt sich das Leben vieler Frauen ab. Die orientalischen Gesellschaften sind nicht so schnelllebig, Neuerungen werden eher skeptisch betrachtet. „Die vor uns haben doch schon immer so gelebt und es hat bisher immer geklappt, wieso sollen wir es anders machen?“, wird in vielen Köpfen gedacht.

Das gesellschaftliche Leben ist durchwoben mit strikten Benimmregeln und Normvorstellungen. Es dominiert eine strikte und festgefahrene Meinung darüber, wie eine Frau zu sein hat. Dass sich das aufgrund etlicher Dinge ändern könnte – undenkbar. Wehe derjenigen, die versucht, sich über diese Meinung zu stellen und die Grenzen zu überschreiten. Das Verstörendste an dieser Geschichte ist, dass Frauen ihren Geschlechtsgenossinen gegenüber oft noch strengere und kaltblütigere Sittenwächterinnen sind. Anstatt sich gegenseitig zu unterstützen, Verständnis füreinander zu zeigen und sich gemeinsam aus diesem einengenden, von Männern ins Leben gerufenen Wertevorstellungen zu lösen, zwingen sie sich diese durch Beschimpfung, Ausgrenzung, Slut-Shaming und Verhöhnung auf. Sie tun alles, um diesen Vorstellungen ihrer selbst völlig zu entsprechen, Gott bewahre, es könnte ja sein, dass sie sonst nicht feminin und sittlich genug sind um geheiratet zu werden – was könnte einer Frau schlimmeres widerfahren?

Wir müssen zusammenhalten

Eine Frau zu sein ist schwer, und eine orientalische Frau zu sein, setzt dem noch einen drauf. Die Liebe, der Respekt, das Verständnis, die Freiheit, die wir verdienen, kann niemals auf einen einzigen Tag reduziert und schon gar nicht an einem einzigen Tag errungen werden. Die orientalischen Frauen, türkisch, kurdisch, assyrisch, iranisch, arabisch – wir müssen uns alle gegenseitig bestärken, anstatt über jede, die andere Fehler macht als wir, die einen anderen Lebensweg einschlägt als wir, die nicht so ist wie wir, schlecht zu sprechen, sie zu beleidigen, auszuschließen und zu verhöhnen. Keiner wird sich für unsere Freiheit und Gleichberechtigung einsetzen außer uns, also müssen wir uns gegenseitig bestärken und unterstützen. Damit irgendwann der Weltfrauentag eine richtige Bedeutung gewinnt.