Was macht eine gute Schule aus?

Die Schule im nordrhein-westf채lischen Hamm, die am 31. August ihr 25-j채hriges Jubil채um feiert, hat sich einen Namen gemacht und z채hlt zu den 20 besten Schulen in Deutschland. Muhammet Mertek sprach mit Manfred Lindemann, dem Schulleiter der SSG, 체ber die vielf채ltigen Angebote der Schule f체r Sch체ler und Eltern.

Sie sind seit 체ber 20 Jahren als Schulleiter an der SSG t채tig, d.h., Sie haben sie auch von Anfang an mit aufgebaut. Erl채utern Sie uns bitte kurz den Werdegang Ihrer Schule.

Manfred Lindemann: Der Aufbau der Schule war mit vielen Schwierigkeiten verbunden. So galt es, erst einmal ein entsprechendes Geb채ude zu finden. Zu Beginn waren wir in dem Geb채ude einer ehemaligen Hauptschule im Hammer Norden untergebracht, bis dann mit dem Neu- und Erweiterungsbau an dem jetzigen Standort begonnen wurde. In der 횥bergangszeit mussten die Kolleginnen und Kollegen an zwei Schulstandorten unterrichten. Weiterhin kamen jedes Jahr 10 bis 12 neue Kolleginnen und Kollegen hinzu, die in das bestehende Kollegium integriert werden mussten. Dar체ber hinaus gab es auch Kolleginnen und Kollegen, die nicht an einer Gesamtschule unterrichten wollten. Von daher gab es zu Anfang viele Versetzungsantr채ge und eine hohe Fluktuation. Die Schwierigkeiten schlugen sich auch auf die Anmeldezahlen nieder. So hatten wir im Jahr 2000 gerade mal so viele Anmeldungen, dass die 6 Klassen gef체llt werden konnten.

Heutzutage weist die SSG dagegen die meisten Sch체lerneuanmeldungen in Hamm auf. Dar체ber hinaus hat sie auch einen gro횩en Anteil an Sch체lern mit Gymnasial- und Realschulempfehlung. Wie erkl채ren Sie das? Wie sieht Ihr Schulangebot aus?

Das Kollegium formulierte 2000 seine Ziele neu und fasste ein leistungsbezogenes Bildungsangebot ins Auge. Hier ist die Einrichtung einer bilingualen Klasse und einer Musikklasse zu nennen. Weiterhin glauben wir, dass die Angebote im Wahlpflichtbereich mit den Sprachen Franz철sisch, T체rkisch, Latein und Spanisch sowie die AG-Angebote und die Erg채nzungsstunden-Angebote f체r Eltern attraktiv sind.

Was w체rden Sie anderen Schulleitern empfehlen, wie sie aus ihrer Schule ebenfalls eine Leistungsschule machen k철nnen? Welche Rolle spielen die vielen Zertifizierungen und Auszeichnungen, z.B. die individuelle F철rderung? K철nnen Sie die wichtigsten Projekte, die Sie hier an der SSG durchf체hren, kurz darstellen?

Ich w체rde unsere Schule nicht als Leistungsschule bezeichnen, sondern als eine Schule, die sowohl f철rdert wie auch fordert. Wichtig ist hierbei, dass zwischen beiden Bereichen ein ausgewogenes Verh채ltnis herrscht. Den Schwerpunkt nur auf das F철rdern zu legen, w체rde bedeuten, dass man auch nur die entsprechenden Sch체ler bzw. deren Eltern anspricht. Die Zertifizierungen halte ich f체r wichtig, um den Eltern, aber auch der 횜ffentlichkeit zu zeigen, wie leistungsf채hig die SSG ist. Das G체tesiegel 얢ndividuelle F철rderung macht deutlich, welche vielf채ltigen Angebote und Unterst체tzungsangebote die SSG macht.
Das Lehrerkollegium tr채gt vieles mit. Wie haben Sie es geschafft, die Lehrer f체r die Projekte zu motivieren?

Um die Kolleginnen und Kollegen zu motivieren, Ver채nderungen in das Schulprogramm aufzunehmen, ist es wichtig, dass die Diskussion sehr breit angelegt wird und Initiativen aus dem Kollegium aufgenommen und Projekte umgesetzt werden. Das an unserer Schule eingerichtete Gespr채chsforum 얭chulentwicklung, das sich aus Lehrern, Eltern, Sch체lern und Schulleitung zusammensetzt, hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Schulentwicklung so erfolgreich durchgef체hrt werden konnte. Ein weiterer wesentlicher Punkt ist auch hier die Wertsch채tzung, die die Schulleitung den Kolleginnen und Kollegen entgegenbringt. Dies macht die Schulleitung durch Mitarbeitergespr채che und regelm채횩ige Treffen mit dem Lehrerrat.

Welche Angebote bieten Sie au횩erhalb des Unterrichts?

Au횩erunterrichtliche Angebote tragen mit zum Schulklima bei, weil sie den Interessen und den Neigungen der Sch체lerinnen und Sch체ler entgegenkommen, sie aber auch in ihrer individuellen Entwicklung f철rdern. Diese Angebote sehe ich im Bereich der Arbeitsgemeinschaften mit sportlichen, k체nstlerischen und technischen Angeboten sowie im Lernstudio.

Die Schule kann Erziehungs- und Lernprobleme der Sch체ler nicht ohne die aktive Unterst체tzung des Elternhauses l철sen. Sie ist auf Elternarbeit angewiesen. Welche M철glichkeiten stehen den Eltern an der SSG offen?

Elternarbeit tr채gt wesentlich mit zum positiven Klima innerhalb der Schule bei. Nur wenn Eltern und Schule gemeinsam an der Schulentwicklung arbeiten, kann diese erfolgreich sein. Die Eltern habe eine Eltern-AG gegr체ndet, die sich mit erzieherischen Problemen auseinandersetzt, die aber auch bei schulischen Veranstaltungen, wie z. B. beim Tag der Offenen T체r, mitwirkt.

Wie sieht Ihrer Meinung nach eine ideale Schule aus – vor allem in Bezug auf die sozialen, psychologischen und p채dagogischen Probleme, die sie meistern muss?

Ich glaube nicht, dass es eine ideale Schule gibt, weil sich die Schule auf die entsprechende Sch체lerschaft einstellen muss, um den Bed체rfnissen nach einer fachlichen und erzieherischen Anforderung zu entsprechen. Dabei muss jede Schule ihren eigenen Weg finden und die M철glichkeit er철ffnen, dass die Kompetenzen, die die Lehrerinnen und Lehrer mitbringen, entsprechend genutzt werden, um erfolgreich zu arbeiten. Bei der Schulentwicklung ist es wichtig, gr철횩tm철gliche Transparenz zu gew채hrleisten und M철glichkeiten anzubieten, sich einzubinden und einzubringen.

Ist es Ihrer Ansicht nach notwendig, dass eine Schule mit den lokalen Medien in Kontakt steht, und wie schafft sie es, dass die lokalen Medien regelm채횩ig 체ber sie berichten?

Ich bin der Meinung, dass die 횜ffentlichkeitsarbeit an einer Schule gro횩e Bedeutung hat. In Bezug auf die o.a. Transparenz bietet die SSG den Eltern M철glichkeiten, sich 체ber Entwicklungen in der Schule zu informieren. Dies geschieht einmal 체ber die Homepage der SSG und 체ber den Newsletter, der vier Mal im Jahr an die Eltern, Sch체ler und an interessierte B체rgerinnen und B체rger versandt wird. Der Kontakt zu den 철rtlichen Medien muss ebenfalls gepflegt werden, insbesondere um auf schulische Veranstaltungen hinzuweisen.

Insbesondere in der Oberstufe sind 체berdurchschnittlich viele sogenannte Migrantenkinder vertreten. Das widerspricht der g채ngigen Vorstellung vom Verh채ltnis Migranten – Bildung. Wie haben Sie es geschafft, dass verh채ltnism채횩ig viele Migrantenkinder bei Ihnen Abitur machen k철nnen?

Wir sind sehr stolz darauf, dass in ganz bestimmten Jahrg채ngen bis zu 50 % der Abiturienten einen Migrationshintergrund haben. Wir f체hren dies u.a. auf das Fremdsprachenangebot T체rkisch in der Sekundarstufe I und II und das Fach Islamkunde zur체ck. Die SSG bem체ht sich, eine Schule f체r alle Sch체ler zu sein, egal welchen Glaubens oder welcher Herkunft sie sind.