Wer weiß es nicht? – Der Ausländer!

Vor einiger Zeit fand ich einige Minuten, um mich entspannt vor den Fernseher zu setzen. Etwas bestimmtes wollte ich mir nicht anschauen, also schaltete ich von Kanal zu Kanal. Auf dem Privatsender Vox lief ein Programm namens „Wer weiß es, wer weiß es nicht?“ Schnell stellte ich fest, dass es sich um eine Quizshow handelt. Da mir derartige Programme im Allgemeinen gefallen, entschied ich mich, weiterzuschauen.

Bei dieser Sendung wurden Passanten zufällig auf der Straße angesprochen. Diesen wurden einfache Fragen gestellt, die zum Allgemeinwissen gehörten und keiner besonderen Bildung bedürfen. Allerdings durfte man die Fragen nicht selbst beantworten, sondern zufällige Passanten auswählen, welche die Fragen für die Kandidaten beantworteten. Hierbei musste man sich abwechselnd eine Person aussuchen, welche die Frage womöglich beantworten konnte und eine Person, welche die Frage NICHT beantworten konnte. Daher der Name der Sendung: „Wer weiß es, wer wie es nicht?“

Während ich also die Sendung verfolgte, fiel mir etwas auf. Bei den Fragen, die korrekt beantwortet werden sollten, wurden gerne deutsche Mitbürger befragt, während bei den Antworten, die falsch beantwortet werden sollten, öfter Migranten befragt wurden. Zunächst verwarf ich den Gedanken. Es hätte ja ein Zufall sein können. Dennoch behielt ich die Sendung die nächsten Woche im Auge. Tatsächlich! Fast in jeder Folge, wurde mindestens einmal ein „Ausländer“ für die falsche Antwort auserwählt.

Migranten kennen weder goldene Hochzeit noch das Rheinische Grundgesetz

Bei einem Beispiel sollte folgende Frage beantwortet werden: „Wie nennt man das Jubiläum, bei dem man 50 Jahre lang verheiratet ist?“ Der Moderator sagt zur Kandidatin, dass es sehr schwer sein könnte, eine Person zu finden, die diese Frage nicht wusste. Doch die Kandidatin schien keine Sorgen zu haben und antwortete: „Vielleicht jemand aus einer anderen Kultur?“ und deutete auf eine Verkäuferin eines asiatischen Restaurants hin. Ich sitze vorm Fernseher und denke mir „Bitte, bitte beantworte diese Frage richtig und bestätige nicht deren Vorurteile nicht bestätigt werden!“ Doch die asiatische Verkäuferin kannte die korrekte Antwort „Goldene Hochzeit“ leider nicht und der Moderator und die Kandidatin freuten sich darüber, denn durch ihre Ahnungslosigkeit konnte die Kandidatin gewinnen- und Vorurteile über Migranten wurden bestätigt!

In einer anderen Folge sollte der erste Artikel des Rheinischen Grundgesetzes genannt werden. Auch hier betonte der Moderator, wie schwer es sei, jemanden zu finden, der diese einfache Frage falsch beantwortete. Als wäre es nicht schlimm genug, jemanden bloß zu stellen, musste der Moderator auch noch unterstreichen, wie einfach diese Frage doch sei. Und wie sollte es auch anders sein? Eine türkische Dame wurde auserwählt, um die Frage zu beantworten. Sie sprach fehlerfrei Deutsch und ihr Sohn, der sie begleitete, hatte gerade sein Abi bestanden und gemeinsam waren sie auf der Suche nach einem Anzug für seinen Abiball. Ich freute mich insgeheim, denn ich hatte Hoffnung, dass sie die korrekte Antwort wusste. Doch leider wusste sie sie nicht („Et es wie et es“).

Vorurteile mit einem Lächeln entkräften

Ich möchte nicht zu streng sein und dachte mir, dass dies alles Zufall sein kann und die Kandidaten sich nicht absichtlich Migranten für die falschen Antworten aussuchen. Wer möchte schließlich nicht gewinnen? Doch ist es klug, in einer solchen Zeit, in der Organisationen wie Pegida immer mehr Anhänger finden, Vorurteile gegenüber Migranten zu verstärken? Eine Sendung auszustrahlen, in der Personen sich darüber freuen, dass Menschen die Antwort von größtenteils einfachen Fragen nicht beantworten können? Ich bin der Meinung, dass es sich um eine diskriminierende Sendung handelt und schreibe der zuständigen Redaktion. Mit der Antwort, die ich erhielt, war zu rechnen:

Vielen Dank für Ihre E-Mail zu unserer Sendung „Wer weiß es, wer weiß es nicht?“. Auch kritische Anmerkungen und Hinweise zu unserer Sendung sind uns sehr wichtig. Wir haben Ihre Anmerkung deshalb an die betreuende Redaktion zur Kenntnisnahme weitergegeben.

Seitdem habe ich nichts mehr von ihnen gehört. Die Sendung aufgeben, werden sie wegen einer Beschwerde höchstwahrscheinlich nicht. Das einzige, was ich als Einwandererkind tun kann, ist es, den Vorurteilen entgegen zu wirken, um diese zu entkräften. Und falls ich irgendwann auserwählt werden sollte, eine falsche Antwort auf eine einfache Frage zu geben, so werde ich diese einfach mit einem Lächeln korrekt beantworten.