Wie sicher ist Israels Luftraum?

F체r Israel ist die vollst채ndige Kontrolle 체ber seinen Luftraum existenziell wichtig. Aus diesem Grund ist gerade dieses Thema au횩erordentlich sensibel. Gegen m철gliche in den Luftraum eindringende und verschiedene Ziele treffende, ballistische Raketen gibt es ein mehrstufiges Flugabwehrsystem. Eine Vielzahl von Radar- und 횥berwachungseinrichtungen sind gegen bemannte und unbemannte Flugzeuge 24 Stunden lang im Einsatz. Kurz gesagt, im Bereich der Luftraum체berwachung ist Israel ziemlich selbstsicher.

Allerdings wird Israels Luftraum, all den ausgebauten 횥berwachungssystemen und dem besonderen Augenmerk, das auf das Thema gelegt wird, zum Trotz zeitweise verletzt und auf diese Weise das Sicherheitsempfinden der B체rger vor eine Belastungsprobe gestellt.

Vor einigen Tagen wurde 체ber eine weitere Verletzung des israelischen Luftraums berichtet. Vonseiten der Offiziellen wurden bis dato keine genaueren Details bekannt gegeben, nur das unbefugte Eindringen eines Flugobjekts wurde best채tigt. Das Ereignis soll in Grundz체gen in etwa wie folgt stattgefunden haben: Anfang Oktober soll ein unbemanntes Flugzeug (Drohne) entlang des Gazastreifens 체ber das Mittelmeer geflogen und in weiterer Folge auf eine Distanz von 35 Kilometern in den israelischen Luftraum eingedrungen sein; dort soll es f체r 20 Minuten geblieben sein; danach wurde es den vorliegenden Berichten zufolge von israelischen F-16 Flugzeugen vom observierenden Milit채rflughafen Ramon aus mit Raketen zerst철rt.

Ziel der Drohne ist noch unklar

Nach Aussage israelischer Milit채rs seien die Flugzeuge, nachdem sie in den Luftraum eingetreten waren, von terrestrischen 횥berwachungsstationen aus beobachtet worden; danach h채tten die mit dem erforderlichen Befehl ausgestatteten Piloten das Flugzeug in der Umgebung des Yatir-Waldes im nord철stlichen Teil der Negev-W체ste zerst철rt. Die umgehend zum Tatort geschickte Delegation habe begonnen, die Tr체mmer direkt vor Ort zu untersuchen. Zu Fragen wie jenen, von wem das Flugzeug geschickt worden w채re, was das Ziel gewesen sei, waren die zust채ndigen Stellen noch nicht bereit, mit abschlie횩enden Informationen an die 횜ffentlichkeit zu gehen.

Die Erkl채rung, das Flugzeug sofort nach dem Eintritt in den Luftraum observiert zu haben, k철nnte m철glicherweise bereits vor dem Hintergrund der psychologischen Wichtigkeit des Themas das Ziel verfolgen, allf채lligen Spekulationen 체ber m철gliche Schw채chen in den Luftabwehrsystemen entgegenzusteuern. Bislang reichen die Spekulationen 체ber den Hintergrund der Luftraumverletzung von einem Spionageversuch oder einer Provokation bis zum Versuch, die Effektivit채t der Luft체berwachung auf die Probe zu stellen.

Diese Darstellungen wecken allerdings auch vereinzelte Zweifel. Skeptiker argumentieren damit, Israels Reaktion auf diese letzte Luftraumverletzung w채re unzureichend gewesen und der Eintritt des Flugzeugs in den Luftraum w채re nicht wie in aller Regel sonst bereits im Voraus und rechtzeitig erkannt worden. Beispielsweise behauptet der ultranationalistische Parlamentarier Michael Ben-Ari ein Mitglied des Au횩en- und Verteidigungskomitees im israelischen Parlament (Knesset) , dass dieses Ereignis ernste Auswirkungen auf die Sicherheit h채tte und verlangte eine umfassende Ermittlung. Dar체ber hinaus warf er Fragen auf: 얱ie kann ein feindliches Flugzeug ohne irgendeine Warnung in unseren Luftraum eintreten? Wieso wurde dieses Flugzeug nicht sofort mit seinem Eintritt in den Luftraum zerst철rt? Warum wurde es erst 체ber dem israelischen Wald Yasir zerst철rt?

Ben-Ari d체rfte nicht der einzige Abgeordnete sein, den diese Fragen besch채ftigen. Ob und wie schnell es befriedigende Antworten geben wird, ist unklar. Die israelischen Milit채rbeh철rden haben gerade wenn es um ein solches Thema geht, die Verantwortung, ein besonderes Augenma횩 zu bewahren. Mit Blick auf die Sensibilit채t dieses Themas w채re es keine 횥berraschung, w체rden die Streitkr채fte es vorziehen, eher zu schweigen als Schw채chen einzur채umen. Und auch wenn eine Antwort kommen sollte, wird es erforderlich sein, diese in einer Art und Weise zu gestalten, die der 횜ffentlichkeit vermittelbar erscheint. Am Ende k철nnten sie einen Ansatz w채hlen, der an das Sprichwort gemahnt: 얛er Arm ist zwar gebrochen, aber er steckt noch im 횆rmel.

Hisbollah und Iran r체sten auf

Im Wesentlichen ist diese Verletzung die erste gr철횩ere Luftraumverletzung durch ein Luftfahrzeug seit 6 Jahren. Blickt man zur체ck, wurden im Sommer 2006 w채hrend des Libanonkrieges mit Sprengstoff beladene, unbemannte Flugzeuge von israelischen F-16 Flugzeugen in der Luft zerst철rt. Damals ging man davon aus, dass diese Flugzeuge welche vom iranischen Hersteller Ebabil gefertigt worden war – von der Hisbollah geschickt wurden.

Dass die Hisbollah daran denkt, Israel mit unbemannten Flugzeugen anzugreifen, und fieberhaft an dieser Option arbeitet, ist kein Geheimnis. Beispielsweise war erst im Juni ein Testflugzeug 체ber dem S체d-Libanon aus bislang unbekannten Gr체nden ohne Fremdeinwirkung abgest체rzt. Schon fr체her, im Jahre 2004 war die Hisbollah mit dem Flugzeug Mirsat-1 in den israelischen Luftraum geflogen, dort 20 Minuten geblieben und hatte Filmaufnahmen gemacht. Im April 2005 hat sie mit Mirsat-2 wiederum den israelischen Luftraum verletzt. Au횩erdem wurde in 2010 ein unbemannter Ballon in der N채he von Dimona, der Nuklearanlage Israels, w채hrend eines Fluges in der Luft zerst철rt.

Dar체ber hinaus darf nicht vergessen werden, dass der Iran versucht, gegen die unbemannten Flugzeuge Israels seine eigenen Flugzeuge zu entwickeln und die Absicht hat, Israel auf diesem Wege zu schaden. Beispielweise soll eine vom Iran entwickelte Drohne mit dem Namen Karar, eine Reichweite von 1000 Kilometern haben – es wird sogar gesagt, sie h채tte die F채higkeit, Bomben zu tragen. Es ist offensichtlich, dass Israel das anvisierte Ziel dieses Flugobjekts sein sollte. Der Iran versucht auf diesem Wege, zu den israelischen Drohnen mit einer Reichweite von ebenfalls 1000 km aufzuschlie횩en.

Wie der Zwischenfall vom Samstag zeigt, ist auch der auf h철chster Stufe gesch체tzte, stabile Luftraum Israels im Ernstfall nicht unverwundbar. Aus der Sicht Israels ist das eine ernste Gefahr und eine Bedrohung f체r die nationale Sicherheit. Israels Gegner werden alles ihnen M철gliche versuchen, um die zu Tage getretenen Defizite auszun체tzen. Am Ende wird Israel nicht darum herumkommen, dieses Thema in einer zielf체hrenden, die 횜ffentlichkeit nicht unn철tig belastenden Art und Weise aufzuarbeiten. Die j체ngste Luftraumverletzung wird zweifellos in der politischen und milit채rischen Sph채re Israels als Warnsignal betrachtet werden.