Nach dem Tod eines 13-jährigen Mädchens als Folge von 68 Tagen Fastens ist in Indien eine Debatte über Sinn und Grenzen religiöser Rituale entbrannt. Die Polizei habe Ermittlungen gegen die Eltern und gegen die katholische Schule in Hyderabad eingeleitet, berichtet der asiatische Pressedienst Ucanews (Dienstag).

Das Mädchen, das der Religion des Jainismus angehörte, war zwei Tage nach dem extremen Fasten gestorben. In den 68 Fastentagen hatte das Mädchen nach den Regeln des Jainismus nur heißes Wasser zu sich genommen. Die Eltern hatten das Mädchen dazu in der Überzeugung gezwungen, dass dadurch ihrem Juweliergeschäft Glück und Erfolg beschieden werde.

Die von katholischen Ordensschwestern geleitete Schule St. Francis wies jede Verantwortung zurück. „Die Schule hat niemals einem solches Fastenprogramm zugestimmt oder dazu ermutigt“, sagte eine Ordensfrau Ucanews.

Samuel Jaikumar vom protestantischen Nationalen Kirchenrat Indiens (NCI) verurteilte das durch die Eltern erzwungene Fasten als „Kindesmissbrauch“. Der Vorfall müsse alle Religionen zu einer kritischen Überprüfung ihrer Kulturen und Traditionen veranlassen. Ähnlich äußerten sich gegenüber Ucanews Vertreter des Islam und des Jainismus. Lajpat Jain, Vorsitzender des Verbands der Anhänger des Jainismus in Neu Delhi, räumte ein, seine Glaubensgemeinschaft müsse Lehren aus dem Tod des Mädchens ziehen. Im Gegensatz zum Jainismus stellt der Islam beim Fasten jedoch die Gesundheit des Menschen in den Vordergrund.

Der Jainismus entstand um das 5. Jahrhundert vor Christus in Indien. Er hat wie der Buddhismus seine Wurzeln im Brahmanismus, der Vorgängerreligion des Hinduismus. Dem Jainismus gehören heute rund 4,4 Millionen Menschen an.