1. Nicht nur ein „Club der Reichen“

Die „Group of 20“ besteht nicht nur aus wohlhabenden Ländern wie es bei der G7 der Fall ist. Auch aufstrebende Industrie- und Schwellenländer zählen zum Kreis der G20. Kritisiert werden die Gipfel aber trotzdem, unter anderem weil durch sie oftmals legitime Institutionen wie die UN umgangen werden und wegen der mangelnden Transparenz der Verhandlungen und der fragwürdigen Wirksamkeit der verabschiedeten Erklärungen.

2. Wann und wie entstand die G20?

Gegründet wurde die Gruppe 1999 als Reaktion auf die Finanzkrise in Asien. Seit der globalen Krise 2008 gibt es ein jährliches Treffen, an denen auch die Staats- und/oder Regierungschefs teilnehmen.

3. Die Teilnehmer

Das sind 19 Länder und eine Organisation, die EU. Bei den Ländern handelt es sich um Argentinien, Australien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Kanada, Mexiko, Russland, Saudi-Arabien, Südafrika, Südkorea, die Türkei und die USA. Einige Länder wie die Schweiz, Norwegen, Polen oder Venezuela, die gemessen an ihrer Wirtschaftsstärke und politischen Bedeutung eigentlich Teil sein sollten, sind nicht vertreten.

4. Wievielter ist die Türkei im internen G20-Ranking?

Maßgeblich ist dafür der Beitrag der einzelnen Länder zum weltweiten Bruttoinlandsprodukt. Aktuell belegt die Türkei den 6. Rang.

5. Warum in der Türkei?

Die Türkei hat am 1.Dezember 2014 den Vorsitz der G20 von Australien übernommen. Daher findet der Gipfel in diesem Jahr in der Türkei statt. Der letzte Veranstaltungsort war Brisbane.

6. Was muss man über Antalya wissen?

Antalya war seit jeher eine bedeutende Küstenstadt, geriet allerdings in osmanischer Zeit etwas in Vergessenheit. Heute ist Antalya mit etwas mehr als 2 Millionen Einwohnern Mittelpunkt eines schnell wachsenden Tourismuszentrums an der Türkischen Riviera. Zur Provinz Antalya zählen die Ortschaften Alanya, Side, Manavgat und Belek, wo auch der Gipfel stattfindet.

7. Wie viele Teilnehmer werden insgesamt erwartet?

Der G20-Gipfel ist eine Mammutveranstaltung. Dieses Jahr werden bis zu 20.000 Teilnehmer erwartet. Hinzu werden um die 30.000 Demonstranten aus aller Welt erwartet, die gegen den Gipfel protestieren werden.

8. Wer repräsentiert die Türkei?

Die Türkei wird durch ihren Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan und den Ministerpräsidenten Ahmet Davutoğlu vertreten.

9. Wen hat die Türkei noch eingeladen?

Neben den 20 Teilnehmern zählen dieses Jahr auch Aserbaidschan, Malaysia, Senegal, Singapur, Spanien und Simbabwe zu den Gästen. Diese kommen auf Initiative des Gastgeberlandes.

10. Wann beginnt der Gipfel und wie lange dauert er?

Der Gipfel in Belek beginnt an diesem Sonntag, den 15. November und dauert zwei Tage. Im Vorfeld beginnen die ersten Veranstaltungen allerdings bereits am Donnerstag.

11. Was wird in Belek besprochen?

Während in den ersten Jahren die Gipfel als reine Wirtschaftsforen galten, wird heute auch über Themen wie Terrorismus, Krisenregionen oder Rechtsextremismus gesprochen. Insgesamt sind sieben Sitzungen geplant. Besonderer Fokus nach den Anschlägen von Paris liegt natürlich auf dem Kampf gegen den IS.

12. Was ist mit der Flüchtlingsfrage?

Ja, auch die Flüchtlingsfrage und mit ihr eingehend die Syrien-Krise wird breiten Raum in den Diskussionen einnehmen. Der türkische Präsident Erdoğan setzte sich höchstpersönlich dafür ein, dass dieses Thema in die Tagesordnung aufgenommen wird.

13. Welche Punkte wird Erdoğan ansprechen?

Der Präsident wird wieder die an der Grenze zur Syrien geplanten Schutz- und Pufferzonen ins Gespräch bringen. Diese könnten zur Eindämmung des Flüchtlingsstroms beitragen: „Wir sagen: ‚Lasst uns Gebiete einrichten, die vom Terror gesäubert sind und in denen ein Flugverbot gilt‘“, sagte Erdoğan an die EU gerichtet. „Dann gehen die Leute auch nicht mehr nach Europa.“ Der Präsident kennt die Sorgen der EU nur zu gut. Viel Kritik hat er nicht zu erwarten. Die Türkei ist für den Westen in der Syrien-Krise und Flüchtlingsfrage längst zu einem unverzichtbaren Partner geworden, wie sein kürzlich abgehaltener Besuch in Brüssel und das Arbeitstreffen mit Angela Merkel in Istanbul beweisen.

14. Welche Themen hat Merkel im Gepäck?

Bundeskanzlerin Angela Merkel werde in Antalya, wie sie das auch innerhalb der EU tue, darauf drängen, gemeinsame Positionen vor allem in der Flüchtlingsfrage zu erarbeiten. „Die Bundeskanzlerin wird diesen Rahmen nutzen, um für das zu werben, wofür wir bei jeder Gelegenheit werben: dass wir gemeinsame Lösungen suchen“, sagte ein Regierungsvertreter am Dienstag. Man könne aber nicht erwarten, dass der G20-Gipfel das Problem lösen kann. „Was die G20 leisten kann … ist bei diesen Themen voranzukommen“, erläuterte der Regierungsvertreter.

15. Wie streng sind die Sicherheitsmaßnahmen?

Sehr streng. Zwischen 11 und 13.000 Polizisten werden für die Sicherheit der Anwesenden sorgen. Darüber hinaus wurden sämtliche Hotels und Veranstaltungssäle hermetisch abgeriegelt, mit modernsten Kameras und kugelsicheren Fenstern und Scheiben ausgestattet. Die Region rund um Belek wurde zur „Roten Zone“ erklärt. Über ihr wird der Luftraum gesperrt und auch der Küstenstreifen vor Antalya wird besonders gesichert sein.

16. Wie ist die Sicherheitslage in Antalya?

Die Region um Antalya ist als eines der tourisetischen Zentren des Landes generell sicher. Zuletzt gab es in der Stadt am Mittelmeer aber eine Razzia gegen den IS, bei der vergangene Woche 20 mutmaßliche Anhänger  festgenommen wurden.

17. Wie viele Hotels sind im Einsatz?

30 der 46 in Belek existierenden Hotels sind mit der Beherbergung der Staatsgäste beauftragt worden. Die übrigen kümmern sich um Geschäftsleute und andere Teilnehmer.

18. Wer übernachtet wo?

Es steht sogar fest, wer wo übernachten wird. Während Angela Merkel und die deutsche Delegation im „Kempinski The Dome“ sein werden, haben sich die Türkei und die USA das „Regnum“ als Residenz ausgesucht.

19. Berichterstattung

Neben zahlreichen Journalisten, die aus einem „Medienzentrum“ ununterbrochen vom Großereignis berichten werden, hat die Türkei eigens für den Gipfel eine App entwickelt. Sie kann unter „G20 Antalya Summit“ heruntergeladen werden und ist kostenlos. Kritik löste die Entscheidung der türkischen Regierung aus, regierungskritische Medien vom Gipfel auszuschließen.

20. Wo und wann findet der nächste G20-Gipfel statt?

Der nächste Gipfel findet nächstes Jahr in China statt. 2017 ist Deutschland an der Reihe.


akt. am 15.11.2015 um 15:41