Wie viele Zimmer hat der neue türkische Präsidentenpalast? So genau konnte das bislang niemand sagen. Die Architektenkammer Ankara hat deswegen eine Kommission gegründet mit der tatsächlich die Hintergründe des „Ak Saray“ untersucht werden sollte. 40 Experten, darunter Architekten, Städteplaner, Ökonomen, Soziologen und Juristen haben den Bau genauer unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse der Expertengruppe „Kent İzleme Merkezi Danışma Kurulu“ kommt dabei auf ganz andere Zahlen, als bekannt. Bislang war man von 1.000 Zimmern ausgegangen. „Wir wissen nicht, was in den Tiefgeschossen ist, aber wir behaupten, dass sich in den oberen vier Stockwerken 2.000 Zimmer befinden“, sagte der Vorsitzende der Architektenkammer in Ankara Tezcan Karakuş Candan bei der Vorstellung ihres Berichts zu dem Megabau. In dem Bericht der Kammer gehen die Experten davon aus, dass der Gebäudekomplex vier Etagen auch unter der Erdoberfläche hat. Sollte sich die Vermutung der Experten bewahrheiten, könnte die Zahl der Zimmer des „Ak Saray“ dann sogar bei weit über 2.000 liegen.

 „Tatsächliche Baukosten von Präsidentenpalast 5 Mrd. TL“

Auch die Kosten für den neuen Amtssitz von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan könnten über dem legen, was die Regierung bekannt gegeben hat. Finanzminister Finanzminister Mehmet Şimşek hatte mitgeteilt, dass sich die Kosten auf 1,37 Milliarden TL (490 Millionen Euro) belaufen. Die Experten schätzen die tatsächlichen Kosten aber auf bis zu 5 Milliarden TL (1,8 Milliarden Euro). Candan geht davon aus, dass alleine die Zufahrtswege zu dem Palast 60 Millionen TL (21,5 Millionen Euro) gekostet haben.

Teure Bepflanzung in und um Präsidentenpalast

Auch die Bepflanzung im und um den Palast hat riesigen Summen verschlungen.  „Uns wurde mitgeteilt, dass auf der Terrasse im vierten Stock des Hauptgebäudes 150 Bäume stehen. Bei einem Stückpreis von 3.000 Euro käme man hier auf 1,2 Millionen Lira. Weil diese Bäume nicht zu den örtlichen Gegebenheiten passen, sind diese schon zum dritten Mal ausgetrocknet“, gab Candan bekannt. Bei der Pressekonferenz zu dem Bericht zeigte Redife Kolçak von der Expertengruppe ein Foto von einem Baum und sagte, dass rund 3.000 Solcher eingegangen sei. Die Expertin kritisiert zudem, dass die Pflanzen aus dem Ausland eingekauft wurden, obwohl es im Land genug Pflanzen für solche Zwecke gibt, die auch günstiger wären.

Eine Stellungnahme der Regierung liegt noch nicht vor. Ob diese sich überhaupt dazu äußern wird, bleibt offen.