Nach den Anschlägen auf zwei Moscheen mit 51 Toten und 50 Verletzten in Christchurch in Neuseeland im März 2019 soll sich der heute 22-Jährige zwei Armbrüste, Pfeile und ein Zielfernrohr besorgt haben. Foto: pixabay (Symbolbild)

Gewaltfantasien, Terrorpläne, Hass und der Wunsch, dass die Welt über ihn spricht: Im Internet-Chat soll ein junger Mann aus Hildesheim angekündigt haben, Muslime töten zu wollen. Jetzt steht er vor Gericht.

Es ist ein mörderischer Hass, der den jungen Mann angetrieben haben soll – Hass auf Muslime, dunkelhäutige Menschen und Frauen. Der 22-Jährige schmiedete Anschlagspläne, wollte mindestens 20 Menschen töten und damit eine „Legende“ werden. Es sei „das Bedeutendste“ in seinem Leben, zitierte ihn die Staatsanwältin am Montag bei der Verlesung der Anklage. Er besorgte sich auch Waffen, doch die Polizei vereitelte den geplanten Anschlag. Seit Wochenbeginn muss sich der Mann am Landgericht Hildesheim wegen des Vorwurfs der Vorbereitung einer terroristischen Gewalttat verantworten.

Der Beschuldigte blieb äußerlich ungerührt, antwortete klar und deutlich auf die Fragen der Richterin zu seinen Personalien. Er sei arbeitslos und: ja, er wohne in Hildesheim. Auch zu der Anklage will er sich äußern, wie sein Anwalt versicherte. Zu Beginn versteckte der 22-Jährige sein Gesicht vor den Fotografen hinter einer Zeitung, auf dem Kopf eine schwarze Baseballkappe. Gespräche mit Blick auf eine mögliche Verständigung habe es im Vorfeld nicht gegeben, sagte die vorsitzende Richterin Barbara Heidner. Schon nach kaum einer halben Stunde endete der Auftakt des Prozesses.

Nach den Anschlägen auf zwei Moscheen mit 51 Toten und 50 Verletzten in Christchurch in Neuseeland im März 2019 soll sich der Mann mit rechtsradikalem Gedankengut befasst haben, wie die Staatsanwältin erklärte. Gewaltfantasien beschäftigten ihn demnach, in einem selbst verfassten Gedicht über die Tötung einer Frau soll er sich vorgestellt haben, das Opfer „auszuweiden“. Im Internet habe er Kontakt zu Gleichgesinnten gefunden – aber auch im Chat einen unbekannten dunkelhäutigen Menschen beleidigt und ihm und allen schwarzen Menschen das Lebensrecht abgesprochen, sagte die Vertreterin der Anklage.

Chatpartner alarmierte die Polizei

Dann soll der Mann den Anschlag geplant haben, der dem in Neuseeland gleichkommen sollte – mindestens 20 Menschen wollte er der Staatsanwältin zufolge töten. Dafür besorgte er sich zwei Armbrüste, Pfeile und ein Zielfernrohr sowie vier Messer. Im Mai 2020 schließlich kündigte der Angeklagte demnach in einem anonymen Chat an, er befinde sich mit Waffen vor einer Moschee und wolle Muslime töten. Er sprach von Rache für islamistische Anschläge, die ganze Welt werde über ihn sprechen.

Der Chatpartner alarmierte allerdings die Polizei, die Ende Mai die Wohnung des 22-Jährigen durchsuchte und ihn festnahm. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Die Ermittler gingen zuerst davon aus, dass der Hintergrund der Drohungen der psychische Zustand des Mannes sein könnte. Er kam zunächst in ein Krankenhaus. Das Amtsgericht Hildesheim lehnte anfangs ab, ihn in Untersuchungshaft zu nehmen. Daraufhin legte die Staatsanwaltschaft Beschwerde bei der Staatsschutzkammer des Landgerichts Lüneburg ein, die schließlich Haftbefehl erließ.

Am 18. Dezember wird die Verhandlung fortgesetzt – dann könnte sich der Beschuldigte selbst äußern.

dpa