Die türkischsprachige Tageszeitung Zaman hat ihr 25-jähriges Bestehen in Europa gefeiert. Bei der Feier am Sonntag im Kurhaus in Wiesbaden nahmen neben Verantwortlichen und Mitarbeitern der Zeitung auch viele Leser teil. Auch Abonnenten der Zeitung, die Zaman über ein Vierteljahrhundert hinweg begleitet haben, wurden geehrt.

Der Chefredakteur der Zeitung, Dursun Çelik, streifte in seiner Rede die Entwicklung der Zeitung im vergangenen Vierteljahrhundert und wies darauf hin, dass Zaman besonderen Wert auf verantwortlichen Journalismus legt. Mahmut Çebi, Çeliks Vorgänger, hob dagegen die Rolle von Mehmet Ali Şengül hervor, der die ersten schwierigen Jahre der Zeitung verantwortlich begleitete und jetzt mit seinen 70 Jahren immer noch als Kolumnist der Zeitung verbunden geblieben ist.

Von religiösem Blatt zur seriösen Zeitung

Bei der Feier waren auch Gäste aus dem Ausland zugegen. Bülent Keneş, Chefredakteur der englischsprachigen Zeitung Todayszaman aus Istanbul, sagte, dass Zaman für Demokratie, Freiheiten, Recht und Zusammenleben stehe. Er berichtete über die Schwierigkeit, in der Türkei unabhängigen Journalismus zu machen und verwies auf die Bedeutung von Lesern, die ihrer Zeitung auch in schlechten  Zeiten treu bleiben.

Dr. Savaş Genç von der Fatih Üniversitesi in Istanbul, wies darauf hin, dass Zaman gewachsen sei, während die türkischsprachige Medien in Deutschland an Auflagen verloren hätten. Ein weiterer Gast aus der Türkei war Abdülhamit Bilici, Leiter der Nachrichtenagentur Cihan. Er unterstrich, dass Zaman bei wachsender Auflage seinen Prinzipien treu geblieben sei. Cihan gehört wie Zaman der Mediengruppe Feza an.

Selçuk Gültaşlı dagegen, seit 2001 Korrespondent der Zeitung in Brüssel, wies auf die Bedeutung des EU-Prozesses für die Türkei hin. Gültaşlı sagte, dass die EU sich gegenüber der Türkei in der Vergangenheit nicht immer fair verhalten habe: „Aber wir betrachten den Prozess der Annäherung an die EU als einen Prozess, in dem wir vor unserer eigenen Tür kehren können.“ Gültaşlı sagte zudem, dass die Zeitung anfangs in Brüssel als eine religiöse Zeitung wahrgenommen wurde, mittlerweile aber als eine seriöse Publikation gesehen wird.

Über den Unterschied zwischen CHP und AKP

Gültaşlı, der nach eigenen Angaben eine Zeit lang der einzige türkische Korrespondent in Brüssel war, ergänzte, dass nach der Aufnahme der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei im Jahre 2005 die CHP sich bei EU-Stellen über die Zeitung beschwert und versucht habe, sie in Misskredit zu bringen. Seit dem 17. Dezember 2013 jedoch – dem Bekanntwerden der Korruptionsaffäre in der Türkei – täten dies nun AKP-nahe Kreise. Es gäbe jedoch ein Unterschied zwischen beiden Parteien: „Die CHP hat bei ihrer Kritik ein Mindestmaß an Ethik bewahrt, nicht jedoch die AKP.“

Gültaşlı schloss seine Rede mit den Worten ab: „Ja, wir beziehen zurzeit viel Prügel in der Türkei. Aber wir sind glücklich. Denn wir wissen, wir sind im Recht.“ Zaman berichtet(e) ausführlich über die Korruptionsaffäre und ist deswegen ins Visier der Regierung geraten. Gegen den Chefredakteur Ekrem Dumanlı läuft ein Gerichtsverfahren wegen „Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation“. Weil das Gericht ein Ausreiseverbot gegen ihn verhängt hat, konnte er der Veranstaltung nicht beiwohnen.

Die Zeitung Zaman wurde in der Türkei im Jahr 1986 gegründet. Der erste Druck in Neu-Isenburg in der Nähe von Frankfurt am Main fällt auf den 17. April 1990. Acht Jahre später, 1998, wurde eine Druckerei gekauft. Nach zehn Jahren wuchs die Zahl der Abonnenten auf 5.000 Leser. 2004 zog die Zeitung von Neu-Isenburg nach Offenbach um. Zurzeit ist Zaman mit über 20.000 Abonnenten die auflagenstärkste türkischsprachige Zeitung in Deutschland. Sie wird, wie auch DTJ-Online, von dem Medienunternehmen World Media Group AG mit Hauptsitz in Offenbach, vertrieben.