Bei einer großangelegten Polizeiaktion gegen mutmaßliche Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und der Terroristen PKK sind in der Türkei 251 Verdächtige festgenommen worden. Die Regierung erklärte, die Razzia habe am Freitag in 13 Provinzen stattgefunden. Unklar blieb, wie viele der Festgenommenen mutmaßlich dem IS und wie viele der PKK angehören. Alleine in Istanbul waren zeitgleich 5.000 Polizisten im Einsatz.

In der Erklärung machte die Regierung den IS erstmals offiziell für den Anschlag in Suruç am Montag mit 32 Toten verantwortlich. Zuvor hatte Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu lediglich von ersten Hinweisen auf einen IS-Selbstmordattentäter gesprochen. Nach türkischen Medienberichten handelte es sich dabei um einen 20-jährigen Kurden türkischer Staatsbürgerschaft. Der IS selbst bekannte sich noch nicht zu dem Anschlag.

Neben Istanbul waren Adıyaman, wo der 20-Jährige vor seinem Untertauchen gelebt haben soll, und Şanlıurfa, wo der Anschlag und der Doppelmord an Polizisten passierten, ebenfalls Schwerpunkte der Großrazzia.

Die türkische Armee hat in der Nacht zudem IS-Stellungen in Syrien bombardiert. Dabei seien 35 Terroristen getötet worden.

Der Whistleblower Fuat Avni erhob via Twitter schwere Vorwürfe gegen Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan und Geheimdienstchef Hakan Fidan. Laut Avni haben die beiden einen Plan geschmiedet, um Chaos im Land zu schüren und es dann zu Neuwahlen zu führen. Sie würden sich als Retter inszenieren wollen. Der Anschlag von Suruç sei von einer von Fidan kontrollierten IS-Zelle ausgeführt worden. Erdoğan habe Davutoğlu abgeschrieben, da dieser eine Koalition mit der CHP forciere und sich damit gegen die Präsidialsystem-Pläne des Staatspräsidenten stelle.