Bei einer Massenpanik während der islamischen Wallfahrt Hadsch sind nahe Mekka mindestens 453 Menschen ums Leben gekommen. Über 700 Gläubige seien verletzt worden, meldete die saudische Zivilverteidigung am Donnerstag. Die Opfer kämen aus unterschiedlichen Ländern. Aus der Türkei soll es keine Opfer geben. Die türkischen Pilger seien bereits in der Nacht in Mina gewesen, hieß es aus Kreisen der türkischen Religionsbehörde Diyanet. Am Vormittag war noch die Rede von 310 Toten.

An einer Kreuzung in Mina habe es am Donnerstagmorgen plötzlich einen Stau gegeben, erklärte die Zivilverteidigung. Dann sei eine Massenpanik ausgebrochen. Entlang dieser Route ziehen die Gläubigen am dritten Tag der Wallfahrt von ihren Schlafzelten in Richtung eines fünfstöckigen Gebäudes, wo sie Steine auf Säulen werfen, die den Teufel symbolisieren. Bilder zeigten, wie die im weißen Pilgergewand gekleideten Opfer auf Liegen versorgt und weggetragen wurden.

In Mina hatte es nach einem schweren Unglück im Jahr 2006 mehrere Baumaßnahmen gegeben, die für einen reibungslosen Strom der Pilger sorgen und einen Massenandrang verhindern sollen. Damals waren bei einer Massenpanik 350 Gläubige gestorben. Deswegen werden die Pilger heute so geleitet, dass sich ihre Wege nicht mehr kreuzen. Außerdem ließen die saudischen Behörden ein fünfstöckiges Gebäude bauen, von dem aus die Pilger symbolisch den Teufel steinigen.

Nach Angaben saudischer Medien haben sich in diesem Jahr mehr als zwei Millionen Menschen auf die Pilgerfahrt nach Mekka gemacht, darunter fast 1,4 Millionen aus anderen Ländern. Ein Großaufgebot an Sicherheitskräften soll für Sicherheit sorgen. Der Hadsch gehört zu den fünf Säulen des Islam. Jeder gläubige Muslim, der gesund ist und es sich leisten kann, soll einmal in seinem Leben nach Mekka pilgern.

Zweites großes Unglück in diesem Jahr

Immer wieder kommt es in der für Muslime heiligen Stadt während der Wallfahrt jedoch zu Unglücken. Erst wenige Tage vor Beginn des diesjährigen Hadsch waren mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen, als ein Kran bei einem schweren Unwetter auf den Hof der Kaaba stürzte. Nach Angaben des deutschen Herstellers Liebherr war die Baumaschine nicht ausreichend gesichert. Bei einem Hotelbrand in der vergangenen Woche kamen Hunderte mit dem Schrecken davon.

Am Mittwoch erlitten mehr als 200 Menschen an einem Bahnhof in Mina in großem Gedränge Schwäche- und Ohnmachtsanfälle. Dort war der Zugverkehr wegen eines technischen Defekts gestört. Beim bislang schwersten Unglück in Mekka waren 1990 bei einem tödlichen Gedränge mehr als 1400 Menschen ums Leben gekommen.