epa05341521 Turkish President Recep Tayyip Erdogan (C) inspects a guard of honour upon his arrival at the State House in Nairobi, Kenya, 02 June 2016. Erdogan and the Turkish delegation are visiting Kenya to strengthen diplomatic and economic relations with the East African country. EPA/DAI KUROKAWA +++(c) dpa - Bildfunk+++

Nach der Völkermord-Resolution des Bundestags hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan seinen Ton gegenüber Deutschland nochmal verschärft. Deutschland sei „das letzte Land“, das über einen „sogenannten Völkermord“ der Türkei abstimmen solle, sagte Erdoğan nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Sonntagabend in Istanbul. Zunächst solle Deutschland Rechenschaft über den Holocaust und über die Vernichtung von mehr als 100 000 Herero in Südwestafrika Anfang des 20. Jahrhunderts ablegen.

Bereits am Samstagabend hatte Erdoğan harte Kritik an der Einstufung der Massaker an den Armeniern als Völkermord geübt und besonders die türkischstämmigen Bundestags-Abgeordneten angegriffen, die für die Resolution gestimmt hatten. Ihnen warf er nach Angaben von Anadolu vor, der terroristischen PKK als verlängerter Arm zu dienen. „Es ist sowieso bekannt, wessen Sprachrohr sie sind“, sagte Erdoğan. „Von der separatistischen Terrororganisation in diesem Land sind sie die Verlängerung in Deutschland.“ Ohne ihn beim Namen zu nennen, nahm er besonders Cem Özdemir ins Visier. Dieser sei „kein Türke“. Man müsse das Blut der türkischstämmigen Parlamentarier ins Labor schicken.

Özdemir war einer der Initiatoren der Resolution. Er hatte der „Welt am Sonntag“ von Bedrohungen von türkischer Seite gegen ihn berichtet. „Es gibt leider auch eine türkische Pegida“, sagte der Politiker der Zeitung zur Notwendigkeit der Schutzmaßnahmen. „Rechtsradikalismus ist kein deutsches Privileg. Das gibt es leider auch in der Türkei und unter Deutschtürken.“ Die Berliner Polizei hat dem Bericht zufolge ihre Präsenz in der Umgebung von Özdemirs Wohnung erhöht.

„Mein Werdegang sollte nicht kritisiert, sondern gelobt werden“

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hatte am Samstag nach seiner Tour durch Ostafrika im Rahmen der Absolventenzeremonie der theologischen Fakultät der Marmara-Universität eine Rede gehalten.

Dabei äußerte er sich auch zu der Kritik an seiner Person. Zu den Diskussionen um seinen eigenen Universitätsabschluss richtete er sein Wort in Richtung des Universitätsrektors Mehmet Emin Arat. „Holt es aus dem Archiv. Veröffentlicht es oder was auch immer. Mir glauben sie ja nicht. Vielleicht tun sie es ja, wenn es der Rektor macht“, so ein sichtlich genervter Erdoğan. In den letzten Wochen hatte allen voran HDP-Chef Selahattin Demirtaş den Abschluss des Präsidenten in Zweifel gezogen und die Universität zu einer Stellungnahme aufgefordert.

Zu seinem eigenen Werdegang sagte Erdoğan, dieser sollte nicht kritisiert, sondern gelobt werden. „Meine persönliche Geschichte zeigt, was man alles mit Einsatz und Fleiß erreichen kann. Dass ein Tayyip Erdoğan es bis aus den engen Gassen Kasımpaşas bis an die Spitze des Staates schafft, ist kein Anlass für Kritik, sondern Lob und Würdigung“.

Im weiteren Verlauf seiner Rede lobte der Präsident die Imam-Hatip-Schulen in der Türkei. In der Vergangenheit sei die religiöse Schicht in der Türkei einem immensen Druck ausgesetzt gewesen. Das beste Beispiel dafür seien seine eigenen vier Kinder, die allesamt im Ausland studierten.