Ägyptische Polizisten versuchen eine Gruppe demonstrierender Studenten zu beruhigen.

Drei ganze Tage war er verschwunden, bis er wieder auftauchte. Der deutsch-ägyptische Publizist Hamed Abdel-Samad ist nach eigenen Angaben von Kriminellen entführt worden. Er sei in der ägyptischen Hauptstadt Kairo mit vorgehaltener Pistole verschleppt worden.

Hintergrund der Entführung könnte ein missglücktes Geschäft Abdel-Samads sein. Ein Geschäftspartner, der ihm seit 2011 Geld schulde und gegen den der Deutsch-Ägypter bereits ein Gerichtsverfahren angestrengt und gewonnen habe, stehe nun unter dringendem Tatverdacht.

Medien lancieren islamistisches Motiv

Ihm sei schnell klar gewesen, dass es sich bei den Entführern nicht um Islamisten handle, sagte Abdel-Samad. Viele, insbesondere deutsche Medien, hatten zunächst einseitig von einem islamistischen Motiv hinter der Entführung Abdel-Samads berichtet. „Die gehen anders vor, die wollen ein Lösegeld oder meinen Kopf“, bekräftigte der Satiriker dies in einem Interview mit Spiegel Online.

Salafisten hatten im Sommer, als Reaktion auf kritische Äußerungen Abdel-Samads gegenüber dem Islam, Morddrohungen gegen ihn ausgesprochen. Auf einer Facebook-Seite erschienen Fotos mit ihm und dem Schriftzug „Wanted Dead.“ Doch die Lage in Ägypten ist komplexer, religiöse Extremisten sind nicht das Hauptproblem. Kriminelle sind in einem höheren Maße schuld an den chaotischen Zuständen in Abdel-Samads Geburtsland.

Abdel-Samad fühlt sich vom ägyptischen Staat „gekränkt“

Als Samad vergangenen Sonntag entführt wurde, fehlte sein Personenschutz jedoch völlig. Sein Geburtsland hatte ihm zwar einen Beamten abgestellt, dieser sei allerdings angewiesen, ihn nur zu offiziellen Anlässen zu begleiten. Zuvor wurde ihm von den ägyptischen Behörden jedoch ab dem Zeitpunkt, wo er ägyptischen Boden betritt, Personenschutz garantiert.

„Ich wünschte, jemand hätte in der Situation auf mich aufgepasst“, sagte Abdel-Samad Spiegel Online. Damit habe der ägyptische Staat vollkommen versagt, was seine Sicherheit betrifft, so der 41-Jährige.

Auch nach seiner Freilassung sei der ägyptische Staat nicht in der Lage gewesen, ihn zu schützen. Polizisten und Sicherheitsbeamte hätten ihn, anstatt medizinisch zu versorgen, stundenlang verhört. Als Folge der Strapazen erlitt er einen Schwächeanfall.

„Die Hotelmitarbeiter und Polizisten brachten es nicht fertig, einen Arzt zu rufen. Erst Mitarbeiter der deutschen Botschaft begleiteten mich zur Residenz des Botschafters und sorgten für einen Arzt“, sagte Abdel-Samad.

„Ich bin so enttäuscht, ich habe wirklich den Glauben an mein Land verloren“, sagte Abdel-Samad, der unmittelbar nach dem Militärputsch vom Juli noch das gewaltsame Vorgehen der Putschregierung gegen Anhänger der Muslimbruderschaft wortreich gerechtfertigt hatte.

Zurück in Deutschland, ließ Abdel-Samad ein gerichtsmedizinisches Verfahren einleiten: „Vielleicht prüfe ich dann rechtliche Schritte gegen die ägyptische Regierung. Ich frage mich, wie oft ich von meinem Land noch gekränkt werden muss?“