Connect with us

Panorama

Ägyptens Militär will Aids und Hepatitis C besiegt haben

In der vergangenen Woche stellte die ägyptische Militärführung eine Wunderwaffe vor, die angeblich Hepatitis C und Aids heilen kann. Dass die Bevölkerung dem Militär applaudiert, zeigt die Schockstarre, in der Ägypten derzeit gefangen ist. (Foto: reuters)

Published

on

Ägyptische Soldaten

„Wir haben Aids besiegt, wir haben Hepatitis C besiegt“, rief Generalmajor Ibrahim Abdul Atti, der als Chef der militärischen Forschungsgarde bei der einberufenen Pressekonferenz im Rampenlicht stand. Eine neue medizinische Wunderwaffe, entwickelt vom ägyptischen Militär, könne demnach die tödlichsten Viruskrankheiten heilen.

Das Gerät soll die Viren im Körper aufspüren und vernichten können. Umständliche Bluttests, teure Medikamententherapien – alles Schnee von gestern, wenn man Ägyptens Militär Glauben schenkt. Und das tun weite Teile der ägyptischen Bevölkerung – aus Angst vor Repressalien und weil in der gegenwärtigen Lage niemand mehr weiß, wann Widerspruch erlaubt ist.

„Wissenschaftlicher Durchbruch“

„Unsere Streitkräfte haben einen wissenschaftlichen Durchbruch erzielt, der sofortige Erfolge bei niedrigen Kosten erreicht“, schreibt Armeesprecher Oberst Ahmed Ali auf Facebook. Absurd. Doch nicht nur die Aussagen des Generalmajors, auch die Ernsthaftigkeit der anwesenden Medien und die Freude der Bevölkerung Ägyptens sind mehr als skurril.

„Einen Virus zu besiegen ist ein ganz einfacher Prozess, aber Allah gewährt Weisheit nur dem, dem er sie gewähren will“, erklärte Generalmajor Atti während der Pressekonferenz. Neben ihm flimmerten Bildschirme, auf denen Patienten in Behandlung mit dem neuen Wundermittel gezeigt wurden. Einer von ihnen werde angeblich innerhalb von 24 Stunden vollständig geheilt sein.

„Cici“ wie al-Sisi

Das Wundermittel folgt übrigens dem Namen „Complete Cure“, was in der englischen Aussprache abgekürzt „Ci Ci“ betont wird. Was für ein Zufall, dass der neue starke Mann Ägyptens al-Sissi heißt. Abdel Fattah al-Sisi wird von den Staatsmedien seit Wochen als „Retter der Nation“ gefeiert.

Ein Aids-heilendes Wundermittel, das so heißt wie er, wird im anstehenden Kampf um die Präsidentschaft sicher nicht nachträglich für ihn sein. Und dass ein übereifriger Scheich al-Sisi kürzlich sogar zum neuen Propheten erklärte, passt ins Bild. Seine endgültige Machtübernahme scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Am 30. Juni soll eine landesweite Aids-Massentherapie, kurz vor dem ersten Jahrestag des Militärputsches gegen Muhammad Mursi. Die Bevölkerung wird auch dann wieder das Militär für die neue Technologie feiern. Aus Angst und aus Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Skandal, der jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrt

Ägypten hat einen der höchsten Hepatitis-C-Raten weltweit und beklagt jedes Jahr hunderte Virustote. Zehn bis 15 Prozent der Gesamtbevölkerung sind von dem Virus, das Leberkrebs und Leberversagen verursachen kann, direkt betroffen. Die neue Wunderwaffe könnte vielen Ägyptern die Zeit und das Geld kosten, um sich einer echten Behandlung unterziehen zu können.

Der Interimspräsident Adly Mansour ist einer der Wenigen, die Widerstand gegen die absurde Wunderwaffen leisten. Er durchschaute die Pläne des Militärs, und forderte eine genaue Überprüfung der Wunderwaffe. Über seinen Wissenschaftsberater Essam Heggy ließ er erklären: „Das Ganze ist ein Skandal und entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage.“ Die Generäle scheint dies wenig zu interessieren.