ARCHIV - 13.07.2012, Ägypten, Kairo: Mohammed Mursi, damaliger Präsident von Ägypten an einer Pressekonferenz im Präsidentenpalast teil. Der frühere ägyptische Präsident Mursi ist tot. Das staatliche ägyptische Fernsehen berichtete am Montag, er sei während eines Prozesses gegen ihn bewusstlos geworden und gestorben. Foto: Maya Alleruzzo/AP/dpa

Muhammad Mursi war der erste frei gewählte Präsident des nordafrikanischen Landes. Doch im Jahr 2013 stürzte ihn das Militär nach Massenprotesten. Danach wurde er mehrfach verurteilt. Jetzt ist er gestorben.

Der frühere ägyptische Präsident Muhammad Mursi ist tot. Das staatliche ägyptische Fernsehen berichtete am Montag, er sei während eines Prozesses gegen ihn bewusstlos geworden und gestorben. Mursi wurde 67 Jahre alt. Die genaue Todesursache war zunächst unbekannt.

Mursis Anwalt Abdel-Menem Abdel-Maqsood sagte, der Gesundheitszustand des an Diabetes erkrankten Politikers sei im Gefängnis schlecht gewesen. „Wir hatten mehrere Anträge auf Behandlung gestellt, einige wurden angenommen und andere nicht“, wird der Anwalt in einer Reuters-Meldung zitiert.

Mursi war im Jahr 2012 als erster frei gewählter Präsident an die Macht gekommen. Im Sommer 2013 kam es jedoch zu Massenprotesten gegen ihn und die Muslimbrüder. Daraufhin stürzte ihn das Militär am 3. Juli des Jahres unter Führung des heutigen Staatschefs Abdel Fattah al-Sisi.

Mursi gehörte den Muslimbrüdern an, die heute in Ägypten verboten sind. Die Regierung hat sie unter Führung Al-Sisis als Terrororganisation eingestuft und verfolgt sie mit harter Hand. Beobachter stufen diese Handhabe als politisch motiviert ein.

Mursi wurde nach seinem Sturz mehrfach vor Gericht gestellt, unter anderem wegen der Tötung von Demonstranten bei Protesten gegen seine Herrschaft und wegen angeblicher Spionage für Katar. Dabei erhielt er mehrjährige Haftstrafen. 

Konflikte mit Militär, Justiz und Revolutionsjugend

Mursi war als Präsident Langzeitherrscher Husni Mubarak nachgefolgt, der im Februar 2011 nach Massenprotesten abtreten musste. Mursis Präsidentschaft war von Konflikten mit dem Militär, mit der Justiz und mit der Revolutionsjugend gekennzeichnet, die die Revolte gegen Mubarak getragen hatte. 

Viele Kritiker warfen Mursi vor, zu konfrontativ regiert zu haben. Vor allem nicht-islamistische Gruppen sahen ihn kritisch und lehnten eine Zusammenarbeit mit ihm ab, obwohl ihn viele 2012 in der Stichwahl um das Präsidentenamt unterstützt hatten.

Erdoğan nennt Mursi einen „Märtyrer“

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat derweil sein Bedauern über den Tod des früheren ägyptischen Präsidenten ausgedrückt. Er habe die Todesnachricht „meines Bruders“ mit Betrübnis aufgenommen, schrieb Erdoğan am Montag auf Twitter. Er wünsche dem „Märtyrer Mursi“, der einen der größten Demokratiekämpfe in der Geschichte geführt habe, Gottes Gnade und Segen. Auch Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu kondolierte via Twitter. 

Die ägyptischen Behörden weigerten sich, Mursi auf dem Familienfriedhof begraben zu lassen, sagte dessen Sohn Abdullah Muhammad Mursi am Montag gegenüber Reuters. Mursis Familie kenne den Ort seiner Leiche nicht; der einzige Kontakt zu den Behörden komme über die Anwälte der Familie zustande.