AfD-Parteichef Bernd Lucke auf einer Pressekonferenz.

Tuncay Deniz (50) ist Mitglied der AfD in Bayern und als Deutscher mit türkischem Migrationshintergrund in der Partei allein auf weiter Flur. Auf die Rassismus-Vorwürfe reagiert er gelassen: „Wir bekennen uns uneingeschränkt zu den freiheitlich-demokratischen, sozialen Prinzipien eines Rechtsstaates und verurteilen jegliche Arten von Rassismus auf das Schärfste.“ Der Rassismus-Verdacht sei lediglich eine wahltaktische Unterstellung der etablierten Parteien. Die Vorwürfe seien unbegründet und nicht haltbar, behauptet Deniz.

AfD vereint Linkswähler und FDP-Anhänger

Für eine Distanz zur Rechten spricht, dass die AfD der Linkspartei bundesweit über 340.000 Stimmen abgenommen hat. Protestwähler und verängstigte Euroverlierer gehören zum Klientel der rechtspopulistischen Partei. Aber das Überlaufen vieler linker Wähler entbehrt jeder Logik. Plausible Erklärungen für den Wechsel zu ihrer Partei insbesondere in Sachsen finden selbst die AfD-Mitglieder nur schwer.

Doch passt dies ins Bild. Denn die AfD versteht sich als alternatives Gegengift zu den etablierten Parteien und möchte allen frustrierten Nichtwählern eine Stimme geben. Eine typische Protestpartei. Damit lassen sich Linksparteiwähler ebenso einfangen, wie enttäuschte FDP-Anhänger.

„Wir sind keine Partei in herkömmlichem Sinne“, sagte Deniz. „Wir sind weder rechts noch links anzusiedeln. Mehr als zwei Millionen Wähler haben uns ihr Vertrauen geschenkt. Das sind Wähler, die früher links, rechts oder gar nicht gewählt haben.“. Vom knappen Scheitern seiner Partei an der Fünfprozenthürde ist der Deutsch-Türke enttäuscht. „Wir sind zwar knapp gescheitert, aber nichtsdestotrotz sind wir gescheitert.“ Der Ingenieur ist sich sicher: „Die etablierten Parteien im Bundestag werden so weitermachen wie bisher.“

Parallelen zu Thilo Sarrazin

Dass AfD-Parteichef Bernd Lucke noch auf der Wahlparty seiner Partei von „Entartungen der Demokratie“ spricht, mag zweifelsohne als schwerer Fauxpas durchgehen. Auch nach der Wahl bedient er das Mantra des gesunden Menschenverstandes, bleibt aber die Antwort auf die Frage schuldig, wie er mit Populismus vernünftige Politik machen möchte. Zumal er und seine Partei mit vielen Thesen an Thilo Sarrazins umstrittenes Buch „Europa braucht den Euro nicht“ erinnern.

Doch auch wenn sich Lucke „bis zur Ermüdung von rechtsextremistischen Strömungen“ abgegrenzt haben möchte, bleibt zu beobachten, ob sich die AfD in Zukunft von nationalistischem und rechtspopulistischem Gedankengut distanziert, oder ob sie gerade dieses Meinungsspektrum als Alleinstellungsmerkmal und Erfolgsfaktor der Partei weiter vorantreiben wird.

Deniz hofft auf einen Dialog zwischen den Parteien. Er will konstruktiv an der Gestaltung seiner Partei mitarbeiten und ernstgenommen werden. Dies sei bislang nicht zu beobachten. „Anstatt über unsere Lösungsvorschläge offen zu diskutieren und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, werden wir nur attackiert und mit nicht haltbaren Vorwürfen konfrontiert“, sagt er.

Suche nach „Unregelmäßigkeiten“

Zehn Tage nach der Bundestagswahl lässt die AfD nun ihre Mitglieder und Sympathisanten nach „Unregelmäßigkeiten“ bei der Bundestagswahl suchen. „Hunderter“ solcher Hinweise seien bereits gemeldet worden, hieß es in der Geschäftsstelle der Partei in Berlin. Mancherorts seien auffällig viele Zweitstimmen als ungültig erklärt worden, oder es seien in Stimmbezirken mehr Erststimmen als Zweitstimmen für die AfD abgegeben worden. Zudem sei es verwunderlich, dass die Partei in manchen Stimmbezirken null Prozent der Zweitstimmen bekommen habe, was statistisch höchst unwahrscheinlich sei

Rassismus der Mitte

Das geschickte Spiel mit den Emotionen – auch das ist ein Phänomen der AfD. Die Inszenierung von Feindbildern, der Kampf der Kleinen gegen die Großen und die Alternative in Zeiten der alternativlosen Merkel-Republik haben maßgeblich zum Erfolg der Partei geführt. Nach diesem Blitzerfolg kommt jetzt die Zeit, in der die Alternative für Deutschland genauer beobachtet werden muss. Der Rassismus der Mitte spielt in der Partei bislang eine große Rolle.