Eine afghanische Frau wählt.

Nach den Präsidentschaftswahlen in Afghanistan werden nun die Stimmen ausgezählt. Einen Sieger gibt es noch nicht. Auch wenn sich in Afghanistan dieser Tage alle ein bisschen als Gewinner fühlen dürfen: Die Wahlbeteiligung übertrifft mit 60 Prozent alle Erwartungen. Am Samstag bildeten sich vielerorts lange Schlangen vor den insgesamt mehr als 6000 Wahllokalen.

Die Afghanen haben sich nicht einschüchtern lassen. Im Vorfeld der Wahl wurden die schlimmsten Szenarien prophezeit. Mord und Todschlag wurden befürchtet. Die radikalen Taliban drohten mit massenhaften Anschlägen. Durch außerordentlich gründliche Sicherheitsmaßnahmen und vorbeugende Militäroperationen konnten die meisten Gewalttaten verhindert werden.

3200 Hinweise auf Anschläge

Am Tag nach der Wahl trauern in diesem gebeutelten Staat zwar wieder einmal Menschen um ihre verstorbenen Familienmitglieder, doch die systematische Gewalt blieb aus. Nach Schließen der Wahllokale, gab der afghanische Innenminister Umar Daudsai den Tod von neun Polizisten, sieben Soldaten und vier Zivilisten bekannt.

Die Behörden beschrieben die Angriffe der Taliban als „unbedeutend“. Vor den Wahlen habe es 3200 Hinweise auf Anschläge gegeben. Im Vorfeld waren bereits 170 Verdächtige verhaftet worden.

Kopf-an-Kopf-Rennen

Im Land herrscht allgemeine Freude über den erfolgreichen Wahlablauf. Jusuf Nuristani, der Leiter der unabhängigen Wahlkommission, sprach auf einer Pressekonferenz am Wahlabend von über sieben Millionen abgegebenen Stimmen. Dass so viele Menschen nach langen Jahren der Lethargie von ihrem Wahlrecht Gebrauch machten, zeigt, dass die Afghanen wieder mehr Verantwortung für ihr Land übernehmen wollen.

Das Ergebnis der Wahl wird zwar noch mindestens zwei Wochen auf sich warten lassen. Erste Meldungen deuten allerdings auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem ehemaligen Finanzminister Aschraf Ghani und dem Ex-Außenminister Abdullah Abdullah hin. Eine Stichwahl wäre in einem solchen Fall ebenso möglich, wie die Machtteilung der beiden Kandidaten.

„Meilenstein auf dem Weg zur Demokratie“

Die befürchteten Wahlfälschungen blieben aus. Insgesamt gab es zwar mehr als 160 Beschwerden, doch auf eine systematische Manipulation wie bei der letzten Präsidentschaftswahl 2009 deutet internationalen Wahlbeobachtungen zufolge nichts hin. 2009 lag die Wahlbeteiligung nur bei 30 Prozent. Dem amtierenden Präsidenten Hamid Karsai wurde systematischer Wahlbetrug vorgeworfen.

„Jede Stimme zählt, und jede Stimme ist eine Stimme für die Demokratie“, hatte NATO-
Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen vor der Wahl gesagt. Auch US-Präsident Barack Obama sah in der Präsidentschaftswahl einen „wichtigen Meilenstein“ auf dem Wag des Landes in eine demokratische Zukunft.

Obwohl der Ausgang der Wahl in Afghanistan noch längst nicht feststeht, ist an diesem Wahltag klar, dass die Abstimmung für das Land ein wichtiger Schritt in Richtung Demokratie ist. Die Wähler sind die Sieger – trotz der Anschläge und trotz der möglichen Betrugsfälle.

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