Die Forcierung des Umweltgedankens in Afrika ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite stellt sich die Frage, ob eine übertriebene Beflissenheit westlicher Staaten gegenüber dem südlichen Kontinent nicht den Verdacht nährt, Afrika als potenziellem Konkurrenten den Zugang mit seinen Rohstoffen zum Weltmarkt zu erschweren. Auf der anderen Seite muss die Nutzung erneuerbarer Energien in einer Region, in der viele der 1,2 Milliarden ärmsten Menschen der Welt leben und ganze Landstriche „unterelektrifiziert“ sind, nicht zwingend mehr an Investitionskosten verschlingen als die Schaffung von Möglichkeiten zur Nutzung fossiler Energieträger.

Subsahara-Afrika mit 910 Millionen Einwohnern konsumiert lediglich 145 Terawattstunden jährlich und damit weniger als alleine schon die 4,8 Millionen Bewohner des US-Bundesstaates Alabama. Tatsächlich stellt sich für die Menschen dort weniger die Frage, ob die Investition in Anlagen für erneuerbare Energien höhere Investitionskosten bei geringerem Output verschlingt als im Vergleich dazu der Abbau von Kohle – der Hauptenergieträger angesichts der Abwesenheit von Elektrizität ist Petroleum.

Mit Petroleum Licht und Wärme zum Kochen zu schaffen, ist außerordentlich teuer. Von 23 Mrd. US-Dollar, die weltweit für Petroleum ausgegeben werden, stammen 10 Mrd. aus Afrika. Sie bezahlen für die Kilowattstunde Strom auf diese Weise mehr als das Hundertfache, was Menschen in den reichen Ländern dafür bezahlen müssen. Darüber hinaus sterben etwa 600 000 Menschen jährlich in Afrika alleine durch Zimmerbrände, die auf den Gebrauch von Petroleum zurückzuführen sind.

Solarenergie über Dorfkioske

Bis 2040 wird sich Afrikas Bevölkerung noch einmal verdoppeln – und die Elektrifizierung wird diesem Umstand Rechnung tragen müssen. Diesbezüglich können zum einen Leuchtdioden eine günstige und effiziente Option für die Menschen auf dem südlichen Kontinent darstellen, zum anderen aber auch die Solarenergie. Mit den Lampen für die Nacht und der Solarenergie für den Tag können Millionen Familien mit Energie versorgt werden. Eine Herausforderung stellt vor diesem Hintergrund noch das Speichern der Energie dar.

Im kenianischen Ngoswani (2000 Einwohner) hat ein Berliner Unternehmen, die Solarkiosk GmbH, eine vielversprechende Lösung gefunden –nämlich den „Solarkiosk“. Als solcher fungiert eine kleine Hütte, deren Dach mit Solarzellen bedeckt ist. Die Dorfbewohner kommen in dieser Hütte zusammen, laden ihre Handys auf, sehen fern oder benutzen den Kühlschrank, um ihre Lebensmittel und ihre Medizin aufzubewahren.

Diese Lösung bietet das Berliner Unternehmen überall an, wo in der Umgebung keine Stromleitung besteht und mindestens 300 Häuser vorhanden sind.

Investoren aus aller Welt entdecken Afrika

Aber auch die Investitionen in Solarmodule werden immer häufiger. Erst vor wenigen Wochen hat die amerikanische Sunpower Corp. angekündigt, im südafrikanischen Kapstadt eine Modulfabrik mit einer Produktionskapazität von 160 Megawatt zu errichten, dort alle ihre geschäftlichen Aktivitäten im Land zusammenzufassen und 150 Arbeitsplätze neu zu schaffen – neben den bereits bestehenden zwei Solarkraftwerken im Land. Bereits 2017 wolle man eine neue 700-Megawatt-Fabrik als „Fab 5“ in Betrieb nehmen, über deren Standort indes noch nicht entschieden sei.

Das Unternehmen Abengoa aus Madrid hat wiederum für das Solar-Gas-Hybridkraftwerk Ain Beni Mathar einen Exzellenzpreis der afrikanischen Entwicklungsbank (ADB) gewonnen. Die Auszeichnung geht an Projekte, die zur nachhaltigen Entwicklung Afrikas beitragen.

Die Anlage ist eine Kombination aus solarthermischem Kraftwerk (CSP), Gas- und Dampfkraftwerk und hat eine Nennleistung von 472 MW. Sie wird über eine 12,6 km lange Gaspipeline versorgt. Der dort erzeugte Strom deckt 10 % des Bedarfs in Marokko.