Der neue Palast des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, der Ak Saray, soll nach Angaben der regierungskritischen Architektenkammer in Ankara noch ausgebaut werden. Der Komplex werde um eine Residenz für das Staatsoberhaupt mit 250 Zimmern erweitert, zitierten türkische Medien die Vorsitzende der Kammer in Ankara, Tezcan Karakuş Candan, am Donnerstag. Außerdem seien eine Moschee und ein Kulturzentrum geplant. Diese Bauten seien alle illegal.

Die Architektenkammer kritisiert, der Ak Saray sei in einem Naturschutzgebiet errichtet worden. Trotz eines vom Gericht verhängten Baustopps habe Erdoğan das Gebäude fertigstellen lassen. Das Büro Erdoğans wies die Anschuldigungen am Donnerstag zurück: „Diese Aussagen sind nicht wahr“, sagte der Vize-Generalsekretär des Präsidentenamtes, Metin Kiralit, der Nachrichtenagentur Anadolu. Die erforderlichen Baugenehmigungen hätten vorgelegen.

Die Architektenkammer in Ankara forderte nach Medienberichten den türkischen Finanzminister Mehmet Şimşek dazu auf, die Kosten der Palasterweiterung zu veröffentlichen. Eine öffentliche Kontroverse um den Palast entbrannte, als dieser in der Vorwoche gegenüber dem parlamentarischen Ausschuss von bisherigen Kosten in Höhe von 1,37 Mrd. TL (615 Mrd. US-Dollar) sprach, etwa dem Doppelten des ursprünglichen Veranschlagten.

In dieser Woche machte die Kammer auch durch einen Brief an Papst Franziskus auf sich aufmerksam. Darin forderte sie das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche auf, der Einweihung des Palastes in zwei Wochen fernzubleiben. (dpa/dtj)