Der Präsidentenpalast „Ak Saray“ des amtierenden Staatspräsidenten Tayyip Erdoğan kommt nicht aus den Schlagzeilen heraus. Immer wieder gibt es neue Erkenntnisse über den Bau, dass die verschwenderische Dimension uns vorzeigt.
Der Präsidentenpalast „Ak Saray“ des amtierenden Staatspräsidenten Tayyip Erdoğan kommt nicht aus den Schlagzeilen heraus. Immer wieder gibt es neue Erkenntnisse über den Bau, dass die verschwenderische Dimension uns vorzeigt.

Um den neuen türkischen Präsidentenpalast in Ankara, den Ak Saray, ranken sich viele Gerüchte. Das gilt sowohl für die Anzahl der Zimmer als auch für die Kosten des Prachtbaus. Hat der neue Amtssitz von Präsident Recep Tayyip Erdoğan tatsächlich 1.000 Zimmer oder sind es doch, wie von der Architektenkammer in Ankara behauptet, 2.000 oder sogar noch mehr Zimmer? So genau kann das niemand sagen und die Regierung in Ankara hält sich mit Informationen bedeckt.

Vor allem die Opposition sieht in dem Megabau eine massive Verschwendung. Der Vorsitzende der oppositionellen Cumhuriyet Halk Partisi (Republikanische Volkspartei, CHP), Kemal Kılıçdaroğlu, kritisierte, dass solche Prachtbauten in Diktaturen wie in Nordkorea zu sehen seien. Das Weiße Haus in Washington habe dagegen nur ein Sechstel der Größe vom neuen Amtssitz des türkischen Präsidenten.

Weder Ankara noch Baumschule legen Kosten offen

Nicht nur der prachtvolle Bau, in der traditonelle und moderne Architektur verschmelzen, sondern auch die Bepflanzung im und um den Palast kann sich sehen lassen. Wie bei dem Gesamtbau wurden auch hier offenbar weder Kosten noch Mühen gescheut. Zu den Lieferanten von Bäumen gehört auch die Baumschule Lappen aus Nettetal. Auf Nachfrage von DTJ-Online teilte das nordrhein-westfälische Unternehmen mit, dass sie für mehr als 80 Prozent der Außenbegrünung zuständig war. „Die nach Ankara gelieferten Großpflanzen haben einen Altersdurchschnitt von 30 – 40 Jahren“, erklärte die Firma.

Über das Auftragsvolumen wollte die Baumschule aber keine Informationen preisgeben. Auch bleibt unklar, wie viele Pflanzen tatsächlich nach Ankara gingen. Medienberichte, wonach 280 LKW-Ladungen Pflanzen von der Baumschule Lappen geliefert wurden, wollte das Unternehmen nicht bestätigen.

Die Innenbepflanzung, wie etwa auf den Terrassen, übernahmen hingegen andere Lieferanten. Die Architektenkammer Ankara hatte dabei die Kosten und falsche Bepflanzung angekreidet. Nach Angaben der Experten von der Architektenkammer liegt der Preis für einen Baum bei 3.000 Euro. Diese seien aber schon zum dritten Mal eingegangen, da sie sich als „terrassenungeeignet“ zeigten. 150 solcher Bäume sollen auf den Terrassen eingepflanzt worden sein. Zudem monierte die Kammer, dass Pflanzen aus dem Ausland gekauft wurden. „Produzieren die heimischen Bäume etwa weniger Sauerstoff?“, beanstandete etwa Namık Kemal Kaya, Vorstandsmitglied der Architektenkammer in Ankara.

AKP-Vize Arınç übt zwischen den Zeilen Kritik an Erdoğan und Ak Saray

Zwar hält sich die AKP-Regierung, was die Diskussionen um den Ak Saray angeht, zurück – es ist weder Lob noch Tadel aus Regierungskreisen zu hören. Eine Ausnahme stellt der stellvertretende Ministerpräsident Bülent Arınç dar, der vorsichtig Kritik an dem Bau übte: „Hier wurde zwar über eine Milliarde Lira ausgegeben. Wenn Sie jedoch sagen, das hätte nicht sein müssen, dann lässt sich darüber streiten“.

Eine deutlichere Kritik seitens der AKP-Regierung wäre aber auch nicht zu erwarten, weil ihre Politik immer noch stark von Erdoğan beeinflusst wird. Der jetzige Staatspräsident hatte schließlich schon als Ministerpräsident während der Gezi-Proteste, deren Bekämpfung er zur Chefsache machte, deutlich gezeigt, was er von abweichenden Standpunkten hält. Erdoğan sah auch den neuen Präsidentenpalast immer als Chefsache an. Und Chefsachen werden nicht hinterfragt.