1.000 Zimmer hat der neue türkische Präsidentenpalast Ak Saray. Kritik sehen darin eine massive Verschwendung. Die Regierung sieht es dagegen als gerechtfertigt.

Der neue Präsidentenpalast des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan hat den Steuerzahler umgerechnet 485 Millionen Euro gekostet. In der Türkei hält die Kritik an dem Mammutbau deswegen weiter an. Eine besonders beliebte Art der Kritik auf den sozialen Medien und in verschiedenen Zeitungen sind Berichte und Vorschläge darüber, was man alles mit dem Geld hätte machen können. Zu den beliebtesten alternativen Projekten gehören nach Meinung vieler Türken:

– Sicherheit am Arbeitsplatz: 2.462 sogenannte Rettungsräume für Bergwerksarbeiter. Der Mangel solcher Schutzmaßnahmen ist oft der Grund, warum es bei Unfällen unter Tage viele Todesopfer gibt.

– Bildung: 685 kleinere Schulen mit 24 Klassenzimmern oder alternativ 685 Studentenwohnheime für je 100 Studenten

– sozialer Wohnungsbau: 34.250 Sozialwohnungen à 100 qm

Ein weiterer oft genannter Kritikpunkt am Ak Saray ist, dass dieser auf 300.000 Quadratmetern des Erholungs- und Waldgebiets Atatürk Orman Çiftliği errichtet wurde. Der Abgeordnete der oppositionellen Cumhuriyet Halk Partisi (Republikanische Volkspartei; CHP), İzzet Çetin, sagte, es gebe außerdem keine offizielle Baulizenz der Gemeinde von Yenimahalle, wo der Palast gebaut wurde. Der Bürgermeister von Yenimahalle, Fethi Yaşar, hat laut Çetin angegeben, dass es keinen offizellen Antragsteller für eine Baulizenz in dem Gebiet gegeben habe.

Bülent Arınç: Ob Kosten zu hoch sind, ist „diskutierbar“

Das Büro von Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu hat nun eine Stellungnahme zur vielfältigen und kreativen Kritik an der Verwendung türkischer Steuergelder für den Palast abgegeben. Darin heißt es unter anderem: „Die Dienstgebäude und Fahrzeuge, die das Ansehen unseres Volk repräsentieren, als Gegenstand für polemisierende Hintergedanken zu missbrauchen, nützt niemandem“.

Auch in den Reihen der Regierungspartei AKP scheint der Protzbau mit 1.000 Zimmern nicht ganz unumstritten zu sein. So hat der stellvertretender Premierminister Bülent Arınç auf eine Anfrage der Opposition zum „Ak Saray“ geantwortet, dass Präsidentenpaläste „in der gesamten Welt grundsätzlich Prestigebauten“ sind. Ob die Kosten, die er selbst als „nicht gering“ bezeichnete, letztendlich zu hoch sind, sei „diskutierbar“, drückte sich Arınç vorsichtig aus.

Ak Saray in Ankara. (rtr)

Auch in Deutschland wurde der neue Palast thematisiert. Der Karikaturist Klaus Stuttmann zeichnete in Anspielung auf das neu errichtete Gebäude und den aktuellen Karikaturenstreit eine Karikatur, die am Mittwoch im Tagesspiegel veröffentlicht wurde.