In der Türkei gilt Fethullah Gülen als der größte Staatsfeind. Nicht nur für die türkische Regierung ist das so, sondern auch für die gesamte Bandbreite der türkischen Opposition. Außer den Gülen-Anhängern selbst, sind es in den meisten Fällen die engsten Verwandten und einige Freunde, die sich mit den Zivilisten, die zur Gülen-Bewegung gehören solidarisieren. Im Grunde kann man heute sogar sagen, dass die türkische Regierung gegenüber der Gülen Bewegung, zu der sie einst ein sehr enges Verhältnis pflegte, die Sichtweise der ultra-nationalistischen Kemalisten hat. Dies wurde bei zahlreichen Auftritten von Vertretern des Ultra-Kemalismus bestätigt.

Rufe nach der Todesstrafe nach dem Putschversuch

Nach dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 wurden in der Türkei und auch bei der „Demokratie-Kundgebung“ von Türken in Köln die Todesstrafe lautstark gefordert. Und auch Erdogan sprach offen über die Todesstrafe. Er würde sie sofort billigen, doch die Entscheidung liege beim türkischen Parlament. Heute schienen die Diskussionen über die Wiedereinführung der Todesstrafe als erledigte Angelegenheit. Doch eine Stimme aus Rotterdam holt die Position der Todesstrafe-Befürworter wieder in die Aktualität zurück.

Akgündüz: Fatwa-Erlaubnis zur Todesstrafe von Gülen

Als der Leiter der islamischen Universität in Rotterdam, Professor Ahmet Akgündüz, per Telefon in die Nachrichten des islamistischen Senders Akit TV geschaltet wurde, gab er eine sogenannte Fatwa, also eine islamische Rechtssprechung von sich. Nach der Auslegung von Akgündüz besage der Koran, dass eine Tötung von sämtlichen Gülen-Anhängern grundsätzlich möglich ist.

„Es leben Leute, die mich ansprechen und sagen: „Wir sehen es ganz offen in der Sure al-Hudschurat. Wenn jemand gegen den Staat rebelliert, ermöglicht der Koran ihre Tötung. (…) Es gibt Menschen unter diesen Gülen-Anhängern, die sehr fromm sind.“ Und ich antworte ihnen, das kann sein, aber ganz egal welche Dienste diese Menschen auch in der Vergangenheit erwiesen haben. Allein ihr Verrat am 15. Juli 206 und ihre Auflehnung gegen den Staat reicht schon aus.“

Kritik aus den Holländischen Behörden

Die Bildungsministerin der Niederlande, Frau Ingrid van Engelshoven reagierte auf diesen Eklat des Rektors der islamischen Universität in Rotterdam. In einer Berichterstattung des niederländischen Mediums RTL äußerte sichvan Engelshoven so: „Wenn nötig werden wir die Lizenzen der Institution, dessen Leiter diese Person ist aberkennen.“.

Islamische Universität Rotterdam verteidigt Akgündüz

Auf Anfrage verfasste die Islamische Universität Rotterdam eine Presseerklärung zu den Äußerungen des Rektors Akgündüz. Es heißt, Ahmet Akgündüz habe im türkischen Fernsehen eine Erklärung zum Koran abgegeben und sich nicht zur aktuellen politischen oder rechtlichen Situation in der Türkei geäußert. Die Kommentare von Akgündüz seien falsch aufgenommen.

Kurucan: Akgündüz produziert „Hate Speech“

Ein bekannter Gülen-Anhänger und islamischer Theologe Ahmet Kurucan bezog Stellung zu der Äußerung des Leiters der islamischen Universität Rotterdam. „Ganz gleich aus welcher Perspektive man sich die Aussagen von Akgündüz vergegenwärtigt, ob es ein säkularer Blick ist oder ein konservativer Blick, wird man feststellen, dass Akgündüz gelinde gesagt „Hate Speech“ verbreitet. Er steckt Menschen in eine Schublade und hetzt dann die Bevölkerung und den Staat auf diese Leute.“