Der frühere stellvertretende Vorsitzende und Mitbegründer der AKP Dengir Mir Mehmet Fırat bescheinigte Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan, in großer Angst zu leben. Fırat sagte bei einer Wahlkampf-Veranstaltung, er kenne Erdoğan sehr gut und erkenne an dessen Gesichtsausdruck die große Angst, in der dieser lebe. Zudem sehe sich der Staatspräsident als „größter Großgrundbesitzer“ der Türkei.

„Seine Angst besteht nicht nur darin, die Macht zu verlieren. Er hat Angst, dass, wenn er die Macht verliert, er und seine Familie wegen der Korruption angeklagt und zur Rechenschaft gezogen werden. Deshalb taucht jetzt die Todesrhetorik auf.“ Der Staatspräsident hatte zuletzt mehrfach betont, dass er und seine Mitstreiter sich das Totenhemd übergestriffen hätten, bevor sie sich in die Politik begeben hätten. Auch sein Chefberater Bulut hatte zuletzt eine martialische Metapher bemüht, um seine unbegrenzte Loyalität zu Erdoğan zu veranschaulichen.

Fırat sagte weiter, dass Erdoğan wegen dieser Angst seine psychologische Gesundheit verloren habe. Deshalb sei Erdoğan heute auch von einem großen „Heer“ an Beschützern umgeben.

Erdoğan von 500 Personen beschützt, sein Palast von 750

Fırat dazu: „Vor etwa zehn Jahren haben wir mit Erdoğan den türkischen Teil Zyperns besucht. Dort waren wir zum Freitagsgebet in einer Moschee. Wir wurden begleitet von einigen Beamten und zwei Polizisten. Einen gepanzerten Wagen hatte er nicht. Nach dem Gebet liefen wir durch die ganze Stadt Girne. Damals hatte er keine Angst. Heute wird er von fast 500 Personen beschützt. 750 Personen schützen die Umgebung seines Palastes. Bei seinen Besuchen werden aus verschiedenen Teilen der Türkei Polizisten zusätzlich herangezogen.“

Eine solche Angst mache einen krank und zur Zeit sei der Staatspräsident krank. „Falls es ihm helfen sollte, so wäre meine Bitte an Euch alle, lasst uns alle beten für unseren Staatspräsidenten, damit er seine psychologische Gesundheit wieder erlangen möge. Aber psychologische Krankheiten können auf diese Weise oft nicht geheilt werden. Er muss sich in Behandlung begeben.“

Erdoğan glaube zudem, dass die Türkei sein Großgrundbesitz und das Volk seine Sklaven seien, die unter seinem Befehl stehen. Dabei sei er gekommen, um dem Volk zu dienen.

Fırat ist mittlerweile Mitglied der pro-kurdischen HDP (Halkların Demokratik Partisi) und kandidiert bei den Parlamentswahlen für die Stadt Mersin.