Der zeitweilig in Berlin festgenommene arabische Fernsehjournalist Ahmed Mansur hat deutschen Regierungsvertretern vorgeworfen, sie hätten sich von der ägyptischen Regierung instrumentalisieren lassen. „Es tut mir leid, dass es ihr (der ägyptischen Regierung) gelungen ist, einige Leute in der deutschen Regierung für ihre Zwecke zu benutzen“, sagte Mansur am Dienstag in einer Pressekonferenz in Berlin.

„Ich befürchte, dass es das diktatorische Unterdrücker-Regime von (Präsident Abd al-Fattah) al-Sisi geschafft hat, einen Teil seiner Diktatur, seiner Unterdrückung und seiner Rechtsüberschreitungen nach Deutschland zu exportieren“, sagte der 52-Jährige.

Mansur zeigte sich davon überzeugt, dass die ägyptischen Behörden seine „politisch motivierte“ Festsetzung durch die deutsche Polizei verlangt hätten. Seine Freilassung sei „eine immense Niederlage und eine herbe Schlappe für die Administration al-Sisi“ in Berlin gewesen.

Gleichzeitig bedankte sich Mansur beim türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und bei Premierminister Ahmet Davutoğlu für deren Einsatz während seiner Anhaltung in Polizeigewahrsam in Berlin.

„Danke, Türkei, Danke, türkischer Präsident, Danke, türkischer Premierminister!“

„Ich danke dem Führer der Freiheit, nicht nur der seines eigenen Volkes, sondern aller Völker der Welt, Recep Tayyip Erdoğan“, erklärte Mansur nach seiner Freilassung der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu. „Er war der einzige politische Führer der Welt, der sich um mich gekümmert hat, während ich in Polizeigewahrsam war.“

Außerdem habe Premierminister Ahmet Davutoğlu zweimal angerufen, um sich nach seiner Situation zu erkundigen, erklärte Mansur weiter. „Danke, Türkei, Danke, türkischer Präsident, Danke, türkischer Premierminister!“

Auf die Frage des Zaman-Redakteurs Ismail Çevik, wie er den Umstand bewerte, dass in der Türkei viele Journalisten ins Visier von Erdoğan geraten sind und in Haft sitzen, ging Mansur nicht ein. Der arabische Journalist sagte nur, dass er Erdoğan für dessen Erklärung am Sonntag danke. Die Frage, warum so viele Journalisten in der Türkei in Haft sitzen, müsse man Erdoğan selbst stellen.

Mansur, der für den Nachrichtensender Al-Jazeera arbeitet, war am Samstag am Flughafen Tegel wegen eines Auslieferungsersuchens Ägyptens festgenommen und zwei Tage später wieder freigelassen worden. Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft lehnte eine Auslieferung des Journalisten nach Ägypten schließlich ab. Begründet wurde dies ausdrücklich nicht nur mit rechtlichen Einwänden, sondern auch mit der Sorge der Bundesregierung vor den politischen und diplomatischen Folgen.