Kritiker bemängelten lange, die eurokritische Partei Alternative für Deutschland biete islamfeindlichen Kräften eine Plattform. Ihr Vorsitzender Bernd Lucke geht in einem Interview nun jedoch auf Distanz zu rechtspopulistischen Forderungen.

Der Vorsitzende der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD), Bernd Lucke, hat sich in einem Interview mit dem katholisch-konservativen Onlineportal kath.net gegen eine erzwungene Assimilation von Einwanderern und für die Respektierung der Einwandererkultur ausgesprochen – auch im Zusammenhang mit der Errichtung von Moscheen mit Minarett.

„Einwanderer sollten bereit sein, sich zu integrieren und dies auch aktiv anstreben“, äußerte der Vorsitzende der am 25. Mai erstmals mit sieben Abgeordneten ins EU-Parlament eingezogenen Partei. „Die Gesellschaft sollte aber auch das Ihre dafür tun, den Einwanderern die Integration zu erleichtern, insofern würde ich die Integration nicht gerne nur als entweder Bringschuld oder Holschuld verstehen wollen. Also: Ich bejahe Integration ganz entschieden, ja ich erwarte dies von den Einwanderern. Aber ich erwarte keine Assimilation. Einwanderer sollen sich integrieren und in allen Dimensionen normalen Umgang mit Einheimischen pflegen. Aber sie müssen uns Deutschen nicht in jeder Hinsicht gleich werden.“

Es sei „völlig in Ordnung, ja sogar bereichernd, wenn die Einwanderer ihre kulturellen, religiösen und sprachlichen Wurzeln pflegen“ – solange sie die deutsche Kultur achten, die christliche Religion respektieren und die deutsche Sprache sprechen.

„Selbstverständlich dürfen Moslems hier Moscheen errichten“

Der konservativen AfD wird verschiedentlich von Kritikern vorgeworfen, gegenüber populistischen Tendenzen offen zu sein und islamfeindlichen Kräften eine Plattform zu bieten. Mit seinen Aussagen im kath.net-Interview zeigt Bernd Lucke allerdings eine deutliche Distanz zu solchen Bestrebungen, auch im Zusammenhang mit der Frage nach dem Bau von Moscheen in Deutschland.

Repräsentative Prachtbauten, so Lucke, gehörten zwar sicherlich nicht zur Religionsfreiheit, aber „sie können Ausdruck der Kultur, insbesondere der Architektur der Einwanderer sein. Selbstverständlich dürfen Moslems hier Moscheen errichten und wenn sie das dürfen, warum sollen sie es nicht auch architektonisch anspruchsvoll und ästhetisch befriedigend tun?“

Dass man dabei städtebauliche Gesichtspunkte mitberücksichtige und den Moscheebau nicht gerade im von Fachwerkhäusern geprägten historischen Ortskern genehmige, sei selbstverständlich. „Aber die entscheidende Frage ist nicht, wie die Moschee gebaut wird, sondern was drinnen gepredigt und gelehrt wird“, so Lucke.