Die ersten türkischen Einwohner, die vor 50 Jahren nach Deutschland kamen, gehen nun in Rente. Deshalb ist es höchste Zeit dafür, dass sich auch Pflegedienste darauf einrichten. Das Lazarus-Hospiz in Berlin tut genau das: Es denkt um. Es möchte gerne mehr Pflegepersonal haben, das ebenfalls aus den Einwanderercommunitys stammt.

Allein in Berlin leben etwa 870 000 Einwanderer und ihre Nachkommen. Der Einwandereranteil ist im Kiez Wedding mit 45 Prozent am höchsten. Hier befindet sich das Lazarus-Hospiz. Mit seiner Lage ist es mit vielen Einwanderern konfrontiert, die zum Teil wegen fehlender oder unzureichender Sprachkenntnisse nicht die Möglichkeit haben, an ihrem Lebensabend an Angeboten für ältere Menschen teilzunehmen.

Im März 2013 entstand deshalb das Projekt „Am Lebensende fern der Heimat“ des Lazarus-Hospizes zur transkulturellen Sterbebegleitung. Allerdings fand man durch Gespräche mit Angehörigen von Einwanderern heraus, dass diese gar nicht verstanden, was ein Hospiz sei oder nur Schlechtes damit verbanden. Um das zu ändern, will das Hospiz nun Infoveranstaltungen organisieren und offen für viele Gespräche und Vernetzung im Kiez sein. Außerdem wollen sie auf diesem Wege mehrsprachige Menschen für ehrenamtliche Sterbebegleitung gewinnen.

Sich wie zu Hause fühlen – in der Muttersprache

Besonders notwendig wird dieser Schritt bei Demenzkranken. Wenn diese im Alter Schwierigkeiten haben, sich an die jetzige Zeit zu erinnern, fallen sie oft in ihre Muttersprache zurück. Die deutsche Sprache verstehen sie dann nicht mehr, sie sind darauf angewiesen, dass jemand aus dem Pflegepersonal sie versteht. Darüber hinaus ist es nötig, ihre Sprache zu kennen, damit sie und ihre Angehörige beraten werden können.

Um das zu erreichen, versucht das Hospiz nun auch, die Öffentlichkeit zu erreichen. Mit Plakaten, im Internet und im Radio machte man die Idee schon bekannt und hofft nun auf viele Menschen aus Einwandererfamilien, die Interesse entwickeln, ihren Landsleuten in deren letzten Lebensjahren auszuhelfen. Durch ihren Einsatz könnten sich diese im Hospiz wohl fühlen, doch dazu bedarf es Menschen, die sie verstehen.

Um das gewonnene Pflegepersonal weiterzubilden, werde das Hospiz, so heißt es in der Selbstvorstellung, regelmäßig interne, aber auch externe Fortbildungen anbieten. „Die Zusammenarbeit mit interkulturellen und familienorientierten Beratungsstellen ist von großer Bedeutung. Nicht zuletzt ist Bildung ein wichtiges Element in der Umsetzung von interkulturellen Kompetenzen“, heißt es in einer Erklärung des Lazarus-Hospizes.