Mit dem aktiven Mitmischen Russlands auf Seiten des Assad-Regimes ist es offenbar zu einer Wende im syrischen Bürgerkrieg gekommen. Die Assad-Truppen rücken vor, nun sind auch die Turkmenen im Nordwesten des Landes in ihr Visier geraten. Türkischen Medienberichten zufolge droht eine neue Flüchtlingswelle in die Türkei.

Demnach ist die Brigade der Turkmenen, die den Namen Sultan Abdülhamits trägt, in den turkmenischen Siedlungsgebieten in großer Bedrängnis. Die Bombardierung turkmenischer Gebiete könne auch von der Grenze aus beobachtet werden und pro Minute gingen zwei Artillerieeinschläge auf das Gebiet nieder.

Kommandeur der Turkmenen: Türkei sollte uns helfen

Der Kommandeur der Turkmenen, Ömer Abdullah, hat die Türkei zur Hilfe gerufen. Der Zeitung Zaman gegenüber äußerte er, dass das Regime Streubomben über ihrem Gebiet abwerfe, was international als Kriegsverbrechen gelte. „Wir sehen uns einer nicht auszuhaltenden Feuerkraft ausgesetzt. Die Regierung der Türkei sollte uns helfen. Warum hat sie uns allein gelassen?“, so Abdullah, der sich gleichzeitig kämpferisch gibt: „Wir sind die Enkel der Osmanen. Niemand soll erwarten, dass wir so schnell aufgeben. Wir kämpfen bis zum letzten Blutstropfen.“

Ohne Hilfe von außen droht den Turkmenen in Syrien die Vertreibung. Wenn sie Syrien einmal verlassen, so wird befürchtet, könnten sie später nicht mehr in ihre angestammte Heimat zurückkehren. Die Zahl der Turkmenen wird auf etwa 200.000 geschätzt, sie leben seit der Zeit des Osmanischen Reiches im Norden Syriens. Ob die Türkei ihnen jedoch militärische Hilfe leisten kann, ist fraglich.

Türkei leistet humanitäre Hilfe

Die Türkei schickt den Turkmenen jedoch humanitäre Hilfe. Der Gouverneur der Provinz Hatay, Ercan Topaca, sagte, dass die Türkei in den letzten drei Tagen Hilfsgüter an die Turkmenen geliefert habe. Der Gouverneur gab auch an, dass wegen der Kämpfe um die 30.000 Turkmenen in die Türkei flüchten könnten.

Die neue Offensive des Assad-Regimes mit Unterstützung Russlands wird auch als eine Herausforderung an die Adresse der Türkei gewertet. Die türkische Regierung hatte nach mehreren Grenzvorfällen verlauten lassen, sie habe die Armee damit beauftragt, Kämpfer, die sich der türkischen Grenze nähern, militärisch zu eliminieren.

Zu Beginn ihres offenen militärischen Engagements hatten russische Kampfflugzeuge den türkischen Luftraum verletzt, was jedoch lediglich zu scharfen Protesten der Türkei führte. Ankara suchte danach den militärischen Schulterschluss mit den USA.

700.000 Flüchtlinge könnten in die Türkei kommen

Unterdessen sagte der Leiter des türkischen Roten Halbmondes, Dr. Kerem Kırık, dass sich wegen der Bombardierung der Gebiete Hama und Idlib durch russische Flugzeuge 150.000 Menschen auf den Weg in Richtung Türkei gemacht hätten. Da der IS ihnen den Weg abgeschnitten habe, würden diese Menschen sich in den Bergregionen aufhalten. Sobald der Weg frei sei, würden noch insgesamt 700.000 Menschen Zuflucht in der Türkei suchen.

Das Problem: Die Türkei hat nach den jüngsten Terroranschlägen die Sicherheitsmaßnahmen deutlich erhöht. Legal über die Grenze zu kommen ist mittlerweile nahezu unmöglich. In der Türkei leben etwa 2,5 Millionen syrische Flüchtlinge. Ankara setzt sich zusammen mit Saudi Arabien und Katar für einen Regimewechsel in Syrien ein.