Izettin Dogan hält eine Ansprache während einer alevitischen Kulturveranstaltung. In Ankara soll in Kürze ein Gebäudekomplex enstehen, in das sowohl eine Moschee als auch ein Cemevi integriert sind.

In einem Versuch, die Bindung zwischen der alevitischen und der sunnitischen Gemeinschaft in der Türkei zu stärken, sollen eine Moschee und ein Cemevi, ein alevitisches Gebetshaus, in einem gemeinsamen Gebäudekomplex in Ankara gebaut werden. Der Bau soll am 8.September beginnen, sagte der Leiter der Alevitischen Cem-Stiftung, Dr. Izzetin Doğan (re.), am Wochenende.

Doğan erklärte, dass die Idee eines gemeinsamen Gebetshauses vom islamischen Gelehrten Fethullah Gülen stammt. „Können wir Moscheen und Cemevis von nun an nicht auf gleichen Flächen bauen?”, habe Gülen angeregt. Die Aleviten hätten kein Problem mit solch einem Vorschlag. „In unserer Vorstellung vom Islam ist das, was du Raum nennst, das Herz einer Person”, betonte Doğan. Ein Staat, der die Meinung vertritt, dass es keine anderen Gebetshäuser außer Moscheen geben dürfe, lege eine unbegründete Sichtweise an den Tag.

In seiner Funktion als Verbandssprecher akzeptierte Doğan den Vorschlag, allerdings unter einer Bedingung: „Ich sagte Gülen, dass wir kein Problem mit der Idee haben, aber, dass es Zeit wird, den Moscheen neue Funktionen hinzuzufügen. Ich schlug vor, dass die Moschee und das Cemevi eine gemeinsame Suppenküche nutzen sollten.” Diese Idee fand bei Gülen Anklang.

Gülen ist ein türkischer islamischer Gelehrter, der bekannt ist für die Förderung des gemeinsamen Verständnisses und der Toleranz zwischen den Kulturen. Er startete Bildungsaktivitäten in zahlreichen Ländern, gemeinsam mit Versuchen, die interkulturellen und interreligiösen Aktivitäten in der Welt zu fördern.

Kein Platz für Vorurteile

Die Konstruktion des Projektes soll am 8. September auf einer Fläche von 12 000 Quadratmetern in Ankara beginnen, die 5000 Quadratmeter Park beinhaltet. Kemal Kaya, Leiter der Hacı Bektaş Veli Kultur-, Bildungs-, Gesundheits- und Forschungsstiftung, der Details über das Projekt verriet, sagte, dass es ihr Ziel sei, die Ausweitung der konfessionellen Konflikte vom Nahen Osten bis in die Türkei zu verhindern. „Die Aleviten und die Sunniten werden einander in dem Komplex besser kennenlernen und ihre Vorurteile ablegen können”, hofft Kaya auf einen positiven Effekt.

Izzetin Doğan zufolge hat die Türkei zwei Hauptprobleme: die angespannten türkisch-kurdischen und alevitisch-sunnitischen Verhältnisse. Ähnlich sieht das der Leiter des Cem-Stiftungs-Büros in Ankara, Şahin Akıncı. Während der Gezi-Park-Ereignisse hätten einige versucht, den alevitisch-sunnitischen Konflikt neu anzufachen. „Dieses Projekt wird uns helfen, so etwas in Zukunft zu verhindern”, sagte er. Es sei weltweit das erste dieser Art.

Der Gebäudekomplex werde eine Konferenzhalle beinhalten, eine Lesehalle für Kinder aus benachteiligten Kindern und Aufenthaltsräume, sowie eine Suppenküche. Es soll in Tuzluçayır liegen, dem Nachbarort von Mamak. Auch die Gemeinde Mamak wird die Konstruktion des Gebäudekomplexes unterstützen.