Nach dem Sturz des ägyptischen Präsidenten Muhammed Mursi im Sommer 2013 durch das Militär haben sich die Beziehungen zwischen Ankara und Kairo verschlechtert. Die Regierung des neuen Präsidenten und ehemaligen Generalstabschefs, Abdel Fattah al-Sisi, ließ im April sogar einen wichtigen Vertrag mit der Türkei auslaufen, der es türkischen Schiffen erlaubte, einen ägyptischen Hafen als Umschlagplatz zu benutzen.

Seit dem Putsch hatte das Außenministerium in Ankara Mursi deutlich als „gewählten Präsidenten“ bezeichnet. Inzwischen scheint Ankara zurückzurudern und verwendet für Mursi den Zusatz „ehemaligen Präsidenten“. Beobachter werten dies als einen diplomatischen Schritt um die Beziehungen beider Staaten zu normalisieren. Am 22. April hatte das Außenministerium in einer Mitteilung erstmals das Gerichtsurteil gegen den „ehemaligen“ Präsidenten und 20 weitere ehemalige Funktionäre verurteilt.

Offenbar versucht Ankara schon seit längerer Zeit die Wogen mit der ägyptischen Regierung zu glätten. Vergangenen September hatten die Außenminister beider Staaten angekündigt, dass es ein Treffen geben werde. Dazu kam es allerdings nicht. Beide Seiten hatten beteuert, dass die Gegenseite um eine Aussprache gebeten hatte.

Hinter den Kulissen munkelt man, dass Saudi-Arabien hinter dem Annäherungsversuch steht. Riad gilt als größter Unterstützer der neuen ägyptischen Regierung von al-Sisi. Die saudische Führung versucht derzeit eine Allianz gegen die Aufständischen im Jemen sowie gegen das iranische und syrische Regime zu schmieden. Die Türkei würde ein solches Bündnis stärken.