Am Montagmorgen sind bei zwei Explosionen in Adana und Mersin sechs Menschen verletzt worden. Beide Detonationen ereigneten sich in Büros der linken, pro-kurdischen Oppositionspartei HDP (Halkların Demokratik Partisi, Demokratische Partei der Völker). Die Bombe in Adana sei in einem Kargo-Postpaket gekommen, die in Mersin anscheinend in einem bereits gestern gelieferten Blumenkorb. Genauere Details zu den Urhebern und den Hintergründen sind momentan noch nicht verfügbar.

Laut Tugay Bek, einem HDP-Kandidaten bei den Parlamentswahlen, war das Ziel der Anschläge die Tötung von HDP-Politikern. Zum Zeitpunkt der Anschläge würden sich normalerweise die Kandidaten zur Wahlkampfkoordination in diesen Büros treffen, was heute zufälligerweise ausgefallen sei, da einige andere Kandidaten an diesem Tag nicht arbeiten. Er sieht das Ziel des Anschlags in der Ermordung der HDP-Kandidaten, „denn wir hätten unser Treffen in dem Raum abgehalten, in dem die Explosion stattgefunden hat“.

Davutoğlu verurteilt den Anschlag, HDP sieht Mitverantwortung der Regierung

Premierminister Davutoğlu verurteilte den Anschlag umgehend: „Wer auch immer versucht, Gewalt in den Wahlkampf zu bringen oder zur Gewalt aufruft, dem wird die AKP als erstes entgegentreten.“ Zurückgewiesen wurde Davutoğlus Statement von der bekannten HDP-Parlamentsabgeordneten Pervin Buldan, die über Twitter verlauten ließ: „Weder Präsident, noch Premierminister, noch irgendein anderer Regierungsvertreter sollten heute eine Verurteilung [des Anschlags] von sich geben. Sie sollten ruhig sein, es reicht…“ Der Tweet kann als Anspielung auf eine mutmaßliche Mitverantwortung der Regierung verstanden werden. Auch in einer offiziellen Erklärung der Partei zu den Anschlägen wird darauf hingewiesen, dass die Regierung und Präsident Erdoğan erst den politischen und gesellschaftlichen Boden für derartige Gewalt gegen eine Oppositionspartei bereitet hätten. Seit Beginn des Wahlkampfes habe es laut der Erklärung bereits 60 Angriffe auf Gebäude, Fahrzeuge oder Kandidaten der HDP gegeben.

Bereits im April kam es zu Angriffen auf HDP-Vertretungen, jedoch auch auf Büros der rechts-nationalistischen MHP (Milliyetçi Hareket Partisi, Partei der Nationalistischen Bewegung). Seit Beginn des Wahlkampfes steigen die Spannungen zwischen den Lagern und die Befürchtungen, dass es zu verstärkten Gewaltausbrüchen vor allem im Südosten des Landes kommen kann.

Eine Wahlkampfveranstaltung der HDP in Mersin, die ausgerechnet für heute um 17.00 Uhr angesetzt ist, findet laut Parteichef Selahattin Demirtaş planmäßig statt. Er betonte, sich nicht von derartigen Provokationen einschüchtern lassen zu wollen: „Wir werden noch euphorischer, noch heiterer, noch ambitionierter sein. Wir erwarten euch alle.“