In der Türkei ist es erneut zu einem verheerenden Arbeitsunfall gekommen. In der Millionenmetropole Istanbul sind in der Nacht zum Sonntag mindestens 10 Bauarbeiter ums Leben gekommen, nachdem ihr Aufzug 32 Stockwerke in die Tiefe stürzte. Der Unfall soll sich außerhalb der üblichen Arbeitszeit in der Nacht zum Sonntag ereignet haben. Inzwischen ermitteln Experten, warum an der Baustelle die Sicherheitsvorkehrungen nicht beachtet wurden.

Hunderte Menschen hatten sich am Sonntag am Unglücksort versammelt und gegen unzureichende Sicherheitsvorkehrungen demonstriert. Die Demonstranten warfen den Behörden „Mord“ vor. Dabei kam es zu Ausschreitungen, die sich gegen die Polizei richteten.

Nicht der erste Unfall auf der Baustelle

Die Arbeitssicherheit scheint am Ort des Vorfalls nicht zum ersten Mal unzureichend gewesen zu sein. Der Aufzug soll schon vor 15 Tagen abgestürzt sein, berichten türkische Zeitungen unter Berufung auf Bauarbeiter der Baustelle. Damals hatte es wie durch ein Wunder keine Verletzten gegeben. Am 9. April soll sich ein weiterer Unfall am Unglücksort ereignet haben. Dabei kam ein Arbeiter ums Leben. Die Ermittlungen sollen aber nach der Zahlung einer Geldstrafe von 5000 Türkischen Lira eingestellt worden sein. Mängel seien aber nicht behoben worden. Zudem wird bemängelt, dass die Aufzüge auf der Baustelle nur noch jährlich überprüft würden. Zuvor sei dies alle drei Monate geschehen.

In dem Viertel Mecidiyeköy soll am Ort der Baustelle ein 42-stöckiger Wohnturm entstehen, wovon derzeit 36 Stockwerke fertig gestellt sind. Der Besitzer des in Bau befindlichen Wolkenkratzers, Aziz Torun, schloss jede Verantwortung seines Unternehmens sowie technische Probleme an dem Aufzug aus.

Die Polizei hatte nach dem Unglück zunächst acht Mitarbeiter des Unternehmens in U-Haft genommen. Nach ihrem Verhör wurden sie jedoch alle wieder freigelassen.

ILO kritisiert unzureichende Arbeitssicherheit

Die Türkei steht nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), was die Zahl tödlichen Arbeitsunfälle anbelangt, auf Platz 3. Erst im Mai hatte es den schwersten Arbeitsunfall in der Geschichte der Türkei gegeben. Damals waren bei einem Grubenunglück in Soma 301 Bergleute ums Leben gekommen.