Silvia Fisovic (l) und Sigrid Bluekens, Teilnehmerinnen des Arbeitsprojekts des Tagestreff für Frauen (TafF) in Karlsruhe (Baden-Württemberg), arbeiten am 31.01.2014 in der dortigen Kleiderkammer. Beide waren bis vor kurzem noch auf Wohnungssuche.

2011 hatten 72 Prozent der Frauen einen Job, während im Jahr 2000 nur 63 Prozent in Lohn und Brot standen. Das fand das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in seiner am Montag veröffentlichten Studie heraus. Die Erwerbsneigung der Frauen habe in den vergangenen Jahren zugenommen, während die der Männer eher stagnierte, heißt es im aktuellen „Analytikreport“ der Arbeitsagentur. „Ein wichtiger Grund für die Zunahme der Erwerbsquote vor allem von Frauen war die Ausweitung von geringfügigen oder teilzeitbedingten Beschäftigungsverhältnissen“, schreiben die Statistiker.

Frauen verdienen aber immer noch weniger und sind seltener in den Chefetagen zu finden als ihre männlichen Kollegen. Per Gesetz lässt sich das nach Einschätzung des IW nicht ändern. Für hilfreicher halten die Experten den Ausbau der Kinderbetreuung, um Müttern eine schnellere Rückkehr in den Beruf zu ermöglichen. Kritiker, vor allem aus Familienverbänden, werfen dem IW diesbezüglich allerdings eine eindimensionale Sichtweise vor.

„Frauen sind die Gewinner am Arbeitsmarkt“, ist die Studie überschrieben. Die Erwerbsquote liege inzwischen deutlich über dem EU-Durchschnitt von knapp 65 Prozent. „Nur in skandinavischen Ländern ist sie höher“, sagte IW-Direktor Michael Hüther. In Schweden liege sie beispielsweise bei 78 Prozent. Wäre die Quote in Deutschland genauso hoch, würden zwei Millionen Frauen mehr arbeiten, sagte Hüther. Wegen des drohenden Fachkräftemangels werde es wichtiger, das Beschäftigungspotenzial von Frauen zu nutzen.

Teilzeitbeschäftigung als erheblicher Faktor

Der Beschäftigungszuwachs der vergangenen Jahre ist den Angaben zufolge auf eine zunehmende Teilzeitbeschäftigung zurückzuführen. Seit 2006 sei aber auch der Anteil der Frauen gesunken, die freiwillig in Teilzeit arbeiteten – und nicht, weil sie keine Aussicht auf eine Vollzeitstelle hätten. Ende 2013 waren in Deutschland fast 7,5 Millionen (55 Prozent) Frauen in einer sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigung, und 6 Millionen hatten eine Teilzeitstelle. Die Teilzeitbeschäftigung wächst dabei schneller, nämlich um 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während die Vollzeit nur um 1 Prozent zulegte. Bei Männern sind die Gewichte klarer verteilt: Gut 14,2 Millionen arbeiten Vollzeit, nur 1,4 Millionen haben eine reduzierte Stelle – allerdings beträgt der Zuwachs hier 5 Prozent von niedriger Basis.

Neueste Berechnungen der OECD zeigen, dass Deutschland zu den Ländern gehört, in denen jener Anteil der Lohnlücke relativ klein ist, der nicht durch individuelle, berufsbiografische oder arbeitsplatzbezogene Merkmale erklärt werden kann. Lediglich in den Niederlanden und Australien ist dieser Anteil noch kleiner. Brutto verdienen Frauen pro Stunde im Schnitt 25 Prozent weniger als Männer. Würden aber Faktoren wie Bildungsstand, Wohnregion, Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Unternehmensgröße, Art der beruflichen Tätigkeit oder Berufserfahrung berücksichtigt, schmelze die Lohnlücke auf rund elf Prozent. Sie sinke weiter, wenn Frauen nach familienbedingter Auszeit rasch wieder in den Job zurückkehrten. Bei Arbeitnehmerinnen mit einer Auszeit von maximal 18 Monaten liege der Verdienstunterschied nur noch bei knapp zwei Prozent.

Heile Welt durch außerhäusliche Kinderbetreuung

Hüther fordert deshalb den Ausbau der Kinderbetreuung. „Darin liegt der Schlüssel“, und zwar nicht nur für die Angleichung der Löhne und Gehälter, sondern auch für einen leichteren Aufstieg von Frauen in Führungsetagen. Nur etwa 30 Prozent der Chefpositionen werden von Frauen besetzt. „Führungspositionen werden häufig mit internen Kandidaten besetzt“, sagte Hüther. „Erwerbsunterbrechungen oder eine Beschäftigung in Teilzeit verringern jedoch die Möglichkeiten, im Aufstiegswettbewerb die eigenen Kompetenzen und die eigene Leistungsbereitschaft unter Beweis zu stellen.“

Auch eine Frauenquote in Vorständen oder Aufsichtsräten von Unternehmen, wie sie derzeit von der Opposition im Bundestag und von der EU-Kommission gefordert wird, sei nicht das richtige Mittel, um den Missstand zu beseitigen, sagte Hüther. Er verwies darauf, dass es Unternehmen noch immer schwer falle, Mädchen und Frauen für techniklastige oder für Produktionsjobs zu gewinnen. Schon deshalb sei es beispielsweise in der Industrie problematisch, eine Frauenquote bei der Besetzung von Chefposten zu erfüllen. „In einem Stahlwerk finden Sie nicht mal unter der Lupe eine Frau“, sagte Hüther. Die Unternehmen hätten längst die Knackpunkte erkannt und würden handeln. Mehr als die Hälfte sei dabei, Familie und Beruf besser vereinbar zu machen: in dem Bemühen, Frauen als Fach- und Führungskräfte an sich zu binden.