Im April soll in Gaziantep das erste türkische archäologische Institut entstehen, dessen Aufgabe die Koordination aller Ausgrabungen sein soll. Bislang gab es keine zentrale Stelle für diese Tätigkeit und das Sammeln der gewonnenen Daten.
Im April soll in Gaziantep das erste türkische archäologische Institut entstehen, dessen Aufgabe die Koordination aller Ausgrabungen sein soll. Bislang gab es keine zentrale Stelle für diese Tätigkeit und das Sammeln der gewonnenen Daten.

Die Geschichte hat ihre Spuren hinterlassen in Anatolien. Immer wieder werden neue archäologische Schätze entdeckt, so etwa Ende 2014 in Nevşehir, wo möglicherweise die größte Untergrundstadt der Welt gefunden wurde. Nach langen Jahren des Wartens soll die Türkei nun endlich ein zentrales Archäologieinstitut bekommen. In den kommenden Tagen sollen gemeinsam mit Archäologen aus der südosttürkischen Provinz Gaziantep erstmals Details dazu präsentiert werden.

Den Statistiken des Jahres 2014 zufolge beherbergt das Land derzeit 117 türkische und 36 ausländisch geleitete Ausgrabungsstätten. Außerdem werden derzeit 82 wissenschaftliche archäologische Oberflächenstudien durch die Türkei und 14 durch andere Länder durchgeführt.

Mit dem Anatolischen Archäologischen Institut der Türkei wird das Land erstmals eine eigene, zentrale nationale Einrichtung bekommen, die sich diesem Themas widmet. Ähnliche Einrichtungen bestehen bislang in Deutschland, Österreich, Frankreich, Großbritannien, Japan und den Niederlanden.

Zehn Millionen Euro für die Finanzierung dieser Institution kommen aus der Europäischen Union, mit der die Bezirksverwaltung von Gaziantep über Jahre hinweg verhandelt hatte. Das wären 90 Prozent der Aufwendungen, der Rest wird aus nationalen Quellen finanziert. Die Oberbürgermeisterin von Gaziantep, Fatma Şahin, zeigte sich erfreut über die Pläne.

Die EU hatte die Förderung von sich aus angeboten, als im Zuge der Vorstellung der Ergebnisse der archäologischen Arbeiten in der Türkei im Juni 2014 die Idee zur Gründung eines solchen Instituts aufkam. Die Einrichtung würde, so sah man voraus, einen bedeutenden Stellenwert in der Pflege des europäischen Kulturerbes aufweisen.

Archäologisches Institut ab April auch auf internationaler Ebene aktiv

Als Teil des Projekts werden in Anatolien wissenschaftliche archäologische Arbeiten und Forschungen durchgeführt, Seminare organisiert, Publikationen über anatolische Archäologie veröffentlicht und eine religionshistorische Bibliothek errichtet. Die Arbeit des Instituts auf internationaler Ebene soll im April beginnen.

„In meiner fast zwölfjährigen parlamentarischen Tätigkeit habe ich mein Bestes gegeben, um die historischen und kulturellen Regionen Gazianteps zu erschließen“, erklärte Şahin, die früher Abgeordnete für Gaziantep und Familienministerin war. „Mir wird immer das Erbe jenes Landes bewusst sein, in dem ich geboren wurde, wo ich aufgewachsen bin und wo ich jetzt lebe. Gäste fragen, wenn sie hierher kommen, zuallererst danach, was wir haben. Eine unserer Antworten ist dann der Hinweis auf unsere archäologischen Ausgrabungen.“

Man habe es jedoch nicht in ausreichendem Maße geschafft, dies auch international bekannt zu machen. „Während eines Symposiums in Gaziantep habe ich erfahren, dass wir gar kein Institut für anatolische Archäologie haben“, fügte Şahin hinzu. „Aus diesem Grund kontaktierte ich unser Außenministerium, unseren EU-Minister Volkan Bozkır, den Kultur- und Tourismusminister und die türkische Delegation bei der Europäischen Kommission. Das Projekt erweckte das Interesse der EU dank des möglichen Beitrages zur europäischen Kultur und dies wurde akzeptiert.“

Gaziantep: Institut erleichtert übergreifende Zusammenarbeit

Jedes Land, das in der Türkei Ausgrabungen durchführt, betreibt zeitgleich ein Institut. Diese geben Ausgrabungen finanzielle Unterstützung und versorgen sie mit ihren wissenschaftlichen Daten. Obwohl es 117 türkische Ausgrabungsprojekte gibt, verfügt die Türkei nicht über ein wissenschaftliches Institut, das Daten aus der archäologischen Arbeit türkischer Wissenschaftler sammelt.

Während Universitäten untereinander fast nur über Publikationen verkehren, koordinieren Institute auf zielführende Weise alle Ausgrabungsprojekte.

Um auszuschließen, dass die Errichtung des Instituts unter der Schirmherrschaft der Bezirksverwaltung Gaziantep verhindern könnte, dass es ein Zentrum für türkische Archäologie insgesamt werde, sieht das Konzept vor, dass es ein akademisches Komitee geben wird, das für jede Amtsperiode einen Vorsitzenden durch einen Rat wählen lässt.

Auch werde das Kultur- und Tourismusministerium Gelder beisteuern und im Gegenzug Kontrollrechte erhalten, obwohl die formale Administration der Bezirksverwaltung in Gaziantep unterliegt.

Das Institut wird auch eine Reihe von Arbeitsplätzen im Bereich der Archäologie schaffen.